Der 34-jährige Staatssekretär im Gesundheitsministerium ist der bisher einzige Kandidat für die Nachfolge von Andreas Pinkwart.

wza_275x400_770488.jpg
Daniel Bahr traut sich die Doppelbelastungals Staatssekretär in Berlin und FDP-Chef in NRW zu.

Daniel Bahr traut sich die Doppelbelastungals Staatssekretär in Berlin und FDP-Chef in NRW zu.

dpa

Daniel Bahr traut sich die Doppelbelastungals Staatssekretär in Berlin und FDP-Chef in NRW zu.

Berlin. Die möglichen Konkurrenten um den Parteivorsitz haben abgewunken, er traut sich die Doppelbelastung zu: Daniel Bahr, seit einem Jahr Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, will sich Ende des Monats auch zum FDP-Landesvorsitzenden in NRW wählen lassen. Das Amt wird ihm die Gelegenheit geben, noch etwas mehr öffentliche Präsenz zu zeigen.

Der 34-jährige Volkswirt gehört wie Generalsekretär Christian Lindner (31) und sein Chef in Berlin, Gesundheitsminister Philipp Rösler (37), zu den Politik-Talenten in der FDP, die das Zeug hätten, den angeschlagenen Parteichef Guido Westerwelle über kurz oder lang zu beerben.

Auch mit zugespitzten Thesen machte er auf sich aufmerksam

Bahr - verheiratet, noch kinderlos - weiß, wie man im Berliner Politikbetrieb auf sich aufmerksam macht. Etwa indem man zugespitzte Thesen vertritt. "Es ist falsch, dass in diesem Land nur die sozial Schwachen die Kinder kriegen", ist so eine Äußerung, die für ein paar Tage eine aufgeregte Debatte lostreten kann. Bahr hatte sie 2005 noch zu rot-grünen Zeiten gemacht.

Damals saß er bereits zwei Jahre im Bundestag, war im Ausschuss für Gesundheit stellvertretendes Mitglied und warb dafür, Akademikerinnen das Aufziehen von Kindern zu erleichtern. Nicht an das Elterngeld dachte er damals, sondern an ein Familienrealsplitting, das das Ehegattensplitting abschaffen sollte. Dass daraus in der schwarz-gelben Koalition bisher nichts geworden ist, liegt am Widerstand der Union.

Was Bahr mit seinen jungen Mitstreitern in der FDP gemeinsam hat, sind ein smartes Äußeres, Redegewandtheit und ein damit einhergehendes Selbstbewusstsein. Im Bundestag spricht er ohne Manuskript - eine Ausnahme unter den Abgeordneten.

Nicht nur als Gesundheitsexperte hat er sich schon einen Namen gemacht

Bahr wurde am 4. November 1976 geboren und wuchs in Münster auf. Nach einer Banklehre studierte er Volkswirtschaftslehre in Münster.

Er war von 1999 bis 2004 Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen. Seit 2002 sitzt er im Bundestag. Nach einigen Jahren als gesundheitspolitischer Sprecher wurde er 2009 Parlamentarischer Staatssekretär im Gesundheitsministerium.

Am 27. November will sich Bahr in Dortmund zur Wahl stellen.

Als Gesundheitsexperte hat er sich einen Namen gemacht, im Fernsehen wird er gern als Gegenpart zum SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach eingeladen. Vor einer Woche war Bahr zu Gast bei Sandra Maischberger, wo er beweisen durfte, dass er auch in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik versiert ist. Ruhig, aber bestimmt schafft er es, sogar SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles zum Verstummen zu bringen, ohne dass sie protestiert.

Es ist nicht das erste Mal in seinem Leben, dass Bahr sich eine Doppelbelastung zumuten will. So hat sich der Sohn eines Polizisten sein Ökonomiestudium selbst finanziert, indem er gleichzeitig als Firmenkundenberater bei der Dresdner Bank arbeitete.

Seinem Freund Rösler hat er zum Geburtstag das Buch "Die Kunst des Krieges" des chinesischen Philosophen Sunzi geschenkt. Die Regeln des Krieges könnten auch Politikern nützlich sein, meinte er. Darin heißt es, man müsse seine Feinde ebenso gut wie sich selbst kennen.

Im Sommer verpasste er der CSU das "Wildsau"-Etikett

Wie gut er sich kennt? "Wildsau" hatte er die CSU im Streit um die Gesundheitspolitik genannt. Da könne einem auch mal der Kragen platzen, meinte er nun bei Maischberger. Ist er ihm wirklich geplatzt? Bahr macht nicht den Eindruck, als ob er etwas unüberlegt äußern würde.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer