Mit 28 Jahren an der Spitze einer Stadt – geht das gut? Daniel Zimmermann schaut auf ein anstrengendes erstes Jahr zurück.

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Daniel Zimmermann in seinem Amtszimmer: „Die Menge wichtiger Entscheidungen ist schon erstaunlich.“

Daniel Zimmermann in seinem Amtszimmer: „Die Menge wichtiger Entscheidungen ist schon erstaunlich.“

Schwartz

Daniel Zimmermann in seinem Amtszimmer: „Die Menge wichtiger Entscheidungen ist schon erstaunlich.“

Monheim. Mit 27 hat Daniel Zimmermann als wissenschaftliche Hilfskraft für 700 Euro im Monat an der Uni Köln gearbeitet. Ziel war der Doktortitel und anschließend eine Lehrerstelle für Französisch und Physik.

Doch alles kam ganz anders. Jetzt ist Daniel Zimmermann 28 Jahre alt - und das wohl jüngste Stadtoberhaupt bundesweit. Am Donnerstag schaut er auf ein Jahr im Amt als Bürgermeister Monheims zurück.

Er fährt immer noch den alten Clio und wohnt auf 35 Quadratmetern

Seine Doktorarbeit muss warten. Und sein Gehalt beträgt nun 7500 Euro monatlich. "Aber verändert hat mich das nicht", betont er. Tatsächlich fährt er immer noch den alten Clio, Baujahr 1995, des Großvaters. Tatsächlich wohnt er immer noch in der 35-Quadratmeter-Wohnung.

Doch Daniel Zimmermann und seine als Schülerpartei gegründete Peto (lateinisch: "Ich fordere") haben nach dem sensationellen Sieg bei der Kommunalwahl turbulente Monate hinter sich. Viele für die Gemeinde wichtige Themen, zum Beispiel ein Konzept zur Sanierung und zum Neubau von Sportanlagen, sind zu realisieren.

Der 28-Jährige sitzt nun an den Hebeln der Macht. Jeder Schritt wird beobachtet. Die Peto und die CDU sind die stärksten Fraktionen, sie haben je zwölf Ratsmandate. "Die Menge wichtiger Entscheidungen ist schon erstaunlich. Das fängt bei der Beantwortung des täglichen Postbergs an. Da sind häufig brisante Dinge zu klären", sagt Zimmermann.

Daniel Zimmermann ist in Monheim aufgewachsen und hat Französisch und Physik auf Lehramt studiert. Bei der Wahl 2009 reichten ihm bei sieben Bürgermeisterkandidaten 30,35 Prozent zum Sieg.

Zimmermann ist eines von fünf Gründungsmitgliedern der Schülerpartei Peto. Keimzelle war das Monheimer Otto-Hahn-Gymnasium. Bei der Kommunalwahl 1999 errang die Partei zwei der 40 Ratsmandate, im vergangenen Jahr zwölf mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren.

Er ist in der 44000-Einwohner-Stadt nicht nur Chef einer Verwaltung mit gut 500 Mitarbeitern. Er hat auch verschiedene Aufsichtsratsvorsitze bei Stadttöchtern. Zurzeit wird zum Beispiel die Privatisierung der Bahnen Monheims geprüft. Es geht um Millionen. Doch der 28-Jährige wirkt recht gelassen. "Ich muss gemeinsam mit den Geschäftsführern Dinge zum Wohle Monheims ausarbeiten. Das letzte Wort hat dann freilich der Rat", erläutert Zimmermann.

Zimmermann stellt lieber seine Schülerpartei Peto ins Zentrum

"Ich kann Bürgermeister" lautet der Titel eines Buches, das Anfang November vom Kölner Verlag Fackelträger auf den Markt kommt. So ganz glücklich ist Daniel Zimmermann mit dem Titel nicht. Da habe er sich schließlich vom Verlag überzeugen lassen.

Doch der Inhalt des Buches trage allein seine Handschrift. Hier tritt die dem jungen Bürgermeister immer wieder attestierte Bescheidenheit zutage. In dem Werk geht es nämlich hauptsächlich um den Aufstieg der Schülerpartei Peto. "Da ist auch ein Augenzwinkern dabei. Schließlich darf man nicht vergessen, dass die Gründung vor zwölf Jahren eher ein Jux war. Wir wollten zwar selbst aktiv werden, aber mit dem Erfolg hatte keiner gerechnet."

In der Verwaltung erhält er fast ausschließlich gute Noten

Nicht damit gerechnet - das passt zu vielen Äußerungen aus Verwaltung und Politik mit Blick auf Zimmermann. Doch während er als Chef auf den Rathaus-Fluren fast ausschließlich gute Noten erhält, wird man vor allem in Reihen der Monheimer CDU bei einer Frage immer ungeduldiger: Wann macht Daniel Zimmermann den ersten großen Fehler?

Der fühlt sich derweil immer wohler in seinem Job. Und er will - so ihn seine Peto nominiert - in fünf Jahren wieder antreten als Bürgermeisterkandidat. Lehrer will Daniel Zimmermann übrigens immer noch werden. "Das mache ich dann halt später. Ich bin noch jung", sagt der 28-Jährige schmunzelnd. Die grünen Augen strahlen dabei Ruhe aus.

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