Wer älter ist als 35, geht leer aus. Vor allem Lehrer sind betroffen. Nun wächst der Druck aufs Land.

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Baden-Württemberg wirbt in U-Bahn-Stationen in Ostdeutschland um den Lehrernachwuchs.

Baden-Württemberg wirbt in U-Bahn-Stationen in Ostdeutschland um den Lehrernachwuchs.

Baden-Württemberg wirbt in U-Bahn-Stationen in Ostdeutschland um den Lehrernachwuchs.

Düsseldorf. In NRW haben Lehrer nur ein enges Zeitfenster, wenn sie in den Genuss des Beamtenstatus kommen wollen. Wer älter ist als 35Jahre, wird nur als Angestellter unter Vertrag genommen - und muss sich mit weniger Geld sowie im Rentenalter einer schlechteren Versorgung begnügen. Doch die Regelung könnte bald kippen. Medien zufolge erwägt die schwarz-gelbe Landesregierung, die Altersgrenze auf 40Jahre heraufzusetzen - nicht nur für Lehrer, sondern für alle in Frage kommenden Bewerber im öffentlichen Dienst. Gründe für eine Neuregelung gibt es genug.

Reiche Bundesländer werben mit einer späten Verbeamtung

Da ist zum Beispiel der Bieterwettbewerb der Bundesländer um qualifizierte Lehrkräfte, die immer mehr zur Mangelware werden. So rechnet der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm vor, dass jedes Jahr ein Bedarf von durchschnittlich 22000 bis 23000 neuen Lehrern entsteht. Von den Hochschulen kommt nicht genug nach, und sogenannte Seiteneinsteiger aus der freien Wirtschaft scheuen die wenig attraktive Besoldung. Sie sind meist älter als 35 und - zumindest in NRW - zu alt für eine Übernahme ins Beamtenverhältnis. Allen voran Baden-Württemberg und Hessen locken Lehrer deshalb mit finanziellen Anreizen und einer Verbeamtungsgrenze von 45 beziehungsweise 50 Jahren.

Die CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag hatte bereits vor Wochen gefordert, zumindest für Lehrer an Berufskollegs die Altersgrenze auf 40 Jahre anzuheben, um so die Abwanderung in andere Länder zu stoppen. Im Ministerium will man entsprechende Überlegungen jedoch weder bestätigen noch dementieren. Arbeitsgruppen aus dem Schul-, Innen- und Finanzministerium würden sich derzeit mit der Verbeamtungsgrenze beschäftigen, sagt Thomas Breuer, Sprecher des Schulministeriums.

Fest steht, dass ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (siehe Kasten) NRW unter Druck setzt. Die Leipziger Richter hatten dem Land im Februar auferlegt, für eine klare Rechtslage zu sorgen. Danach sei eine höhere Verbeamtungsgrenze, wie sie NRW für Lehrer in Mangelfächern ermöglicht hatte (Mangelfacherlass), nicht zulässig. "Notwendig ist eine schnelle Klärung", betont Breuer. "Wir brauchen eine Rechtsklärung, um die Anträge von Bewerbern bearbeiten zu können, die älter als 35 sind."

Angestellte Lehrer verdienen 500 bis 600Euro weniger als verbeamtete Lehrkräfte. Betroffen sind vor allem Seiteneinsteiger, die vor dem Schuldienst in der freien Wirtschaft gearbeitet und nicht den direkten Weg "Schule-Studium-Schule" genommen haben.

In NRW galt bis zum Schuljahr 2006/2007 ein Mangelfacherlass. In sogenannten Mangelfächern, in denen Lehrer dringend gesucht wurden, durfte die Verbeamtungsgrenze von 35 Jahren bis zu zehn Jahre überschritten werden. Unter anderem ein 48-jähriger Kölner Hauptschullehrer klagte vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen diese Ungleichbehandlung.

Nach Ansicht der Richter sind Höchstaltersgrenzen für eine Übernahme ins Beamtenverhältnis zwar grundsätzlich rechtens. Ausnahmen müssten aber per Gesetz und nicht durch Verwaltungserlasse festgelegt sein. Deshalb muss NRW nun nachbessern.

Eine ausgeweitete Verbeamtungsgrenze würde den aktuellen Haushalt faktisch nicht belasten, dafür aber die Pensionskosten in die Höhe schnellen lassen.



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