Jürgen Rüttgers sieht sich als Vater des Sieges, Hannelore Kraft soll in Berlin mitreden.

Düsseldorf. Als um 18 Uhr die ersten Zahlen über den Bildschirm flimmern, der rote SPD-Balken im Status einer mickrigen Dachlatte verharrt, gibt es in der CDU-Landesparteizentrale kein Halten mehr: Beinahe ungläubiger Jubel brandet auf. "Das ist ein historischer Tag. Erstmals seit 26 Jahren liegt die CDU in NRW bei Bundestagswahlen vor der SPD", ruft Hendrik Wüst, Generalsekretär der Landespartei, in den Saal.

Die NRW-CDU sieht sich als Aufpasser für die FDP

Anders als bei der Kommunalwahl scheiden sich die Parteien klar in zwei Lager: Die Sieger sind CDU, FDP, Verlierer ist vor allem die SPD. "Wir haben aus NRW durch unsere Politik und durch unser Konzept, wirtschaftlichen Erfolg mit Gerechtigkeit, zum Wahlsieg beigetragen", sagt Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, der in Berlin mit der Kanzlerin feiert. Rüttgers sieht sich also als Vater des Sieges.

Als Aufpasser gegen neoliberale Blütenträume sieht sich Karl-Josef Laumann (CDU), Rüttgers linke Hand im Lande und Bundesvorsitzender der Arbeitnehmervereinigung CDA. "Wir werden in den Koalitionsverhandlungen unser ganzes Gewicht einbringen, damit die Bürger nicht zu stark belastet werden."

Nacktes Entsetzen bei der SPD. In NRW stürzt sie aus der lichten Höhe von 40 Prozent in den 20-Prozent-Turm - acht Monate vor der Landtagswahl eine Katastrophe. Der Landesvorstand reagiert sofort: "Wir wollen, dass Hannelore Kraft stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende wird", sagten Norbert Römer und Britta Altenkamp, beide SPD-Landesvize. Kraft ist in Berlin, gibt sich dort kämpferisch. "Wir wollen eine inhaltliche Erneuerung." Wohl auch eine personelle.

Freude pur bei der FDP. Rund 250 Gäste feiern ausgelassen, freuen sich über satte zweistellige Ergebnisse. "Wir haben einen klaren Auftrag für einen politischen Neuanfang im ganzen Land", sagt Landesparteichef Andreas Pinkwart.

Ein wenig stiller feierten die Grünen. Die errangen zwar in NRW ihr historisch bestes Ergebnis. Aber es fehlt die Machtperspektive. "Man muss sich Sorgen um die SPD machen", sagte Bärbel Höhn, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag.

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