Peking hat ein eigenes Interesse an der Verhinderung einer Eskalation nach dem Raketenstart.

Peking. China will eine Überreaktion auf Nordkoreas Raketenstart verhindern. Im Ringen des Weltsicherheitsrates um die richtige Antwort auf die Provokation aus Pjöngjang mahnt Peking zur Vorsicht. Die Botschaft erscheint offensichtlich: China wird mit seinem Vetorecht eine scharfe Reaktion oder gar neue Sanktionen verhindern.

Mit seltenem Aktivismus telefonierte Chinas Außenminister Yang Jiechi mit seinen Kollegen in den USA, Russland, Südkorea und Japan und warnte vor einer Eskalation. Es gebe nur einen Weg aus der neuen Krise: Die baldige Wiederaufnahme der Sechs-Parteien- Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms.

Nordkorea gibt nicht viel auf drastische Reaktionen

Was so scheint, als nehme China seinen rücksichtslosen kommunistischen Nachbarn in Schutz, ist realpolitische Kalkulation. Auch die renommierte Denkfabrik International Crisis Group in Brüssel warnt vor dem "Risiko einer überzogenen Reaktion", die nur die Sechser-Gespräche gefährden und den Hardlinern in Pjöngjang in die Hände spielen würde. Eine harte Reaktion auf den Raketenstart könne vielleicht "die heimische Wählerschaft erfreuen", doch habe die Geschichte gezeigt, dass sich Nordkorea so nicht beeinflussen lasse.

Da der Flug der Langstreckenrakete möglicherweise gescheitert ist und die Rakete nie den Weltraum erreicht hat, dürfte jetzt auch ungeklärt bleiben, ob tatsächlich ein Satellit an Bord war oder nur ein Raketentest vertuscht worden ist.

Was geschehen ist, lässt sich nicht mehr ändern, sagt sich China lieber und blickt nach vorne, um alle Konfliktparteien wieder an den Verhandlungstisch zu holen. Immerhin sind die Chancen für eine Annäherung mit dem neuen US- Präsidenten Barack Obama heute besser als je zuvor.

Zwar sind China und Nordkorea alte kommunistische Bruderländer und haben während des Koreakrieges (1950-53) Seite an Seite gekämpft, doch sind die Differenzen heute groß. Während Nordkorea in der kulturrevolutionären Phase steckengeblieben ist, hat China drei Jahrzehnte marktwirtschaftliche Reformen und Öffnung nach außen hinter sich. Dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il nicht dem leuchtenden chinesischen Beispiel folgt, sondern lieber die Atomkarte spielt, bereitet Chinas Führern große Kopfschmerzen.

China will weder Atomwaffen vor der Haustür noch einen Kollaps Nordkoreas. Flüchtlingsströme hungernder Nordkoreaner über die Grenze nach China wären die Folge. Auch wäre ein Nordkorea, das nichts mehr zu verlieren hat, ein derart hohes Sicherheitsrisiko, das selbst Peking nicht mehr einschätzen kann.

China trage Verantwortung für die ganze Region, sagte der chinesische Nordkorea-Experte Li Xiaoning. "Verhandlungen sind besser als Krieg." In den seit 2003 laufenden Sechser-Gesprächen seien trotz allem Hin und Her große Fortschritte gemacht worden. "Jetzt gibt es viele Kanäle, um Forderungen vorzubringen und Informationen weiterzuleiten, um Krieg zu verhindern."

China fürchtet nichts mehr als eine Eskalation in den jüngst noch verschlechterten Beziehungen Nordkoreas zum Süden des Landes und zu Japan, das im Vorfeld sogar gedroht hatte, die Rakete abzuschießen.

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