Die 20 mächtigsten Staaten der Erde wollen ihre Wirtschafts- und Klimapolitik künftig besser koordinieren.

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Die Obamas begrüßen Russlands Präsidenten Medwedjew und Ehefrau.

Die Obamas begrüßen Russlands Präsidenten Medwedjew und Ehefrau.

dpa

Die Obamas begrüßen Russlands Präsidenten Medwedjew und Ehefrau.

Pittsburgh. Krisen, und seien sie noch so schlimm, bieten immer die Chance auf einen Neuanfang. Und den wollen die "Chefs" der 19 führenden Wirtschaftsnationen plus der Europäischen Union (G20) wagen.

Auch wenn noch völlig unklar ist, ob die G20 fähig sind, akute Bedrohungen wie die Finanz- und Klimakrise dauerhaft in den Griff zu bekommen. Selbstbewusst riefen sich die Staats- und Regierungschefs beim G-20-Gipfel in Pittsburgh zu einer Art neuen Weltwirtschaftsregierung aus.

Künftig werden damit nicht mehr die acht stärksten Industriestaaten (G8) regelmäßig über ökonomische Fragen beraten, sondern die wichtigsten Entwicklungs- und Schwellenländer dazubitten. Es sei eine "historische Einigung", ließ der Gastgeber, US-Präsident Barack Obama, ein wenig pompös verkünden.

Keine Frage, dass der Gipfel eine wichtige Entscheidung traf. Kein Streit, kein Beschluss dieses neuen mächtigen Forums, wird künftig den Rest der Welt kalt lassen. Zwar hieß es in Pittsburgh, mit den politischen Belangen würden sich auch künftig weiter die G8 befassen. Doch nicht zuletzt die Klimakrise zeigt: In Zeiten der Globalisierung können Politik und Wirtschaft nicht mehr auseinanderdividiert werden.

China kommt in der vergrößerten Runde eine Schlüsselposition zu

Aber die G20 umfassen eben etwa nur ein Zehntel der 192 in den Vereinten Nationen vertretenen Staaten. Außerdem bleibt abzuwarten, inwieweit sich der Wortführer der Entwicklungs- und Schwellenländer - China - in den G-20-Prozess wird einspannen lassen. Peking dürfte achtgeben, von der Dritten Welt nicht als zu sehr dem Westen zugeneigt abgestempelt zu werden.

Und auch, was die Schuldfrage für die schlimmste Wirtschaftskrise seit der Großen Depression von 1930 anbelangt: Mag Europa noch so gerne mit dem Finger auf die Wall Street zeigen und seine Hände in Unschuld waschen wollen - die Schwellenländer verweisen hier pauschal auf den Westen. Und wollen bei der Lösung der Probleme, die auch ihre Volkswirtschaften hart getroffen haben, mitsprechen dürfen.

Die G8 hätten keine Rechtfertigung mehr, machte Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva klar. "Es dürfte schwierig werden, die G8 weiterzuführen, ohne die Bedeutung Brasiliens, Chinas oder Indiens anzuerkennen. Wir sind wichtige Konsumenten und Produzenten." Und der Seitenhieb gegen den Westen: "Wir waren auf die Krise besser vorbereitet als die reichen Länder."

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