Skandal in Edelweiß-Kaserne weitet sich aus.

Berlin. Die Affäre um ekelerregende Mutproben in der Bundeswehr weitet sich aus. Nach der Eingabe eines Soldaten zu Vorgängen bei den Gebirgsjägern im oberbayerischen Mittenwald hätten sich noch weitere Soldaten bei ihm gemeldet und von "Ritualen" bei der Bundeswehr berichtet, sagte der Bundestags-Wehrbeauftragte Reinhold Robbe. Er bestätigte damit einen Bericht der "Bild am Sonntag". Es handele sich um Soldaten aus der betroffenen Einheit in der Mittenwalder Edelweiß-Kaserne, aber auch aus anderen Bundeswehr-Standorten im Süden Deutschlands. Danach gibt es offenbar auch ein gravierendes Alkoholproblem in der Bundeswehr.

"Es zeigt sich, dass offenbar übermäßiger Alkoholkonsum eine große Rolle gespielt hat", sagte Robbe, der über die Vorgänge diese Woche im Verteidigungsausschuss berichten will. Es gebe "bei bestimmten Truppenteilen nach Dienstschluss ein Alkoholproblem, das wir entschieden bekämpfen müssen."

"Ekel-Rituale oder auch Alkoholismus können dann vorkommen, wenn sich die Rekruten nach der Grundausbildung im Gammeldienst langweilen", sagte die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Elke Hoff, unserer Zeitung. Die Bundeswehr müsse attraktiver gestaltet werden. "Dazu gehört etwa, dass die Rekruten verschiedene Stationen bei der Bundeswehr durchlaufen können. Zudem sollten die politische Bildung und die Diskussion über die Einsätze stärker im Vordergrund stehen", sagte Hoff und forderte eine Berufsarmee.

Rekruten mussten Rollmöpse und rohe Leber bis zum Erbrechen essen

Außerhalb der Dienstzeit sollen Rekruten der Edelweiß-Kaserne im Juni 2009 entwürdigenden Ritualen unterzogen worden sein - offenbar mit Wissen der Vorgesetzten. Dabei mussten sie Rollmöpse oder rohe Leber bis zum Erbrechen essen. Der Lohn dafür war die Aussicht, in der Hierarchie aufzusteigen. "Diese Ekel-Mutproben sind Ausdruck einer völlig falsch verstandenen Integration in eine Gruppe", sagte Hoff.

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