Analyse: Nach dem Georgienkrieg wurden die Beziehungen auf Eis gelegt. Die neuen sollen nun sogar enger werden.

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Erstmals seit dem Südkaukasus-Krieg zwischen Russland und Georgien wird Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zu politischen Gesprächen in Moskau erwartet.

Erstmals seit dem Südkaukasus-Krieg zwischen Russland und Georgien wird Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zu politischen Gesprächen in Moskau erwartet.

Reuters

Erstmals seit dem Südkaukasus-Krieg zwischen Russland und Georgien wird Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zu politischen Gesprächen in Moskau erwartet.

Brüssel. Offiziell liegen die Beziehungen zwischen der Nato und Russland wegen des Georgien-Krieges noch auf Eis. Doch hinter den Kulissen pflegen Brüssel und Moskau bereits längst wieder einen intensiven Dialog. Vieles spricht dafür, dass die Nato-Außenminister am Donnerstag zu einer versöhnlichen Geste bereit sein werden und die Wiederbelebung des Nato-Russland-Rates vorschlagen.

Bereits im Dezember trafen sich Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer und der russische Nato-Botschafter Dmitri Rogosin zu einem zwanglosen Plausch bei einem "Italiener" in Brüssel. Auch die 27 Nato-Botschafter reden längst wieder mit ihrem russischen Kollegen.

Weil sich dieses "Format" natürlich (noch) nicht Nato-Russland-Rat nennen darf, haben die Exzellenzen eine diplomatische Sprachregelung gefunden: Man trifft sich zum Tee. Bereits zwei Mal nahm man das anregende Getränk zu sich, zuletzt vergangene Woche.

Dem Vernehmen nach dringen die Russen sogar darauf, den Nato-Russland-Rat mit mehr Leben zu erfüllen. So schlagen sie die Einrichtung einer ständigen Afghanistan-Arbeitsgruppe vor, die konkrete Projekte entwickelt. Interessen-Überschneidungen zwischen Russland und der Nato gibt’s am Hindukusch reichlich. Im Gespräch mit unserer Zeitung nannte Rogosin etwa den Nachschub für die Internationale Schutztruppe Isaf via Russland sowie die Bekämpfung von Terrorismus und Drogenhandel.

Auch die USA bemühen sich um einen neuen Dialog

Mit dem Einfrieren des Nato-Russland-Rats im vergangenen August reagierte die Allianz auf den russischen Einmarsch in Georgien und die Anerkennung der abtrünnigen Provinzen Südossetien und Abchasien. Berlin hatte sich stets dafür ausgesprochen, die Kommunikationskanäle mit Moskau offen zu halten, musste sich damals aber dem Druck der Bush-Regierung, der Balten und der Osteuropäer beugen.

Erstmals seit dem Südkaukasus-Krieg zwischen Russland und Georgien wird Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung zu politischen Gesprächen in Moskau erwartet. Der CDU-Politiker will am Dienstag mit seinem Kollegen Anatoli Serdjukow unter anderem über eine Wiederaufnahme des Dialogs zwischen der Nato und Russland sprechen.

Jung will sich in Moskau nach Angaben seines Ministeriums für eine von Russland erteilte Transiterlaubnis zur Versorgung der Bundeswehr-Einheiten in Afghanistan mit der Bahn bedanken. Als erste Lieferung soll Flugbenzin in vier Kesselwagen durch Russland und Zentralasien in den Norden Afghanistans gebracht werden.

Mit Serdjukow wolle man sich auch über die Einsätze zur Bekämpfung von Piraten am Horn von Afrika austauschen, hieß es. Zudem ist eine Begegnung des Ministers mit dem Bundeswehroffizier Oliver Knickel geplant, der in Russland an einem Langzeitexperiment zur Simulierung eines Marsfluges teilnehmen wird.

Die Normalisierung der Nato-Russland-Beziehungen könnte unmittelbar nach dem Brüsseler Ministertreffen weitere Fortschritte machen, wenn US-Außenministerin Hillary Clinton in Genf ihren Kollegen Sergej Iwanow trifft. Außerdem prüft das Nato-Hauptquartier derzeit eine russische Einladung an den Generalsekretär zu einer Moskau-Reise für den 27. März.

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