Wegen der Kämpfe steht das Leben in Gaza still. Hilfslieferungen sind kaum möglich.

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Palästinensische Frauen und Kinder suchen in einer Schule der Vereinten Nationen in Gaza-Stadt Schutz vor den Angriffen der israelischen Armee.

Palästinensische Frauen und Kinder suchen in einer Schule der Vereinten Nationen in Gaza-Stadt Schutz vor den Angriffen der israelischen Armee.

Reuters

Palästinensische Frauen und Kinder suchen in einer Schule der Vereinten Nationen in Gaza-Stadt Schutz vor den Angriffen der israelischen Armee.

Gaza. Die Mängelliste für eine geordnete Arbeit der Helfer im Gazastreifen ist lang: Blutkonserven werden am dringendsten benötigt, aber auch Betäubungs- und starke Schmerzmittel, Tetanusspritzen, Laken und schließlich Leichensäcke, schreibt das Internationale Rote Kreuz (IKRK) nach Beginn der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen.

Am Montag hat die EU eine Waffenruhe gefordert. Aber Israel will den Kampf gegen die radikal-islamische Hamas fortsetzen. Und Israels Außenministerin Zipi Livni hatte schon zuvor eine 48Stunden lange "humanitäre Waffenruhe" zur Versorgung der 1,5 Millionen Palästinenser abgelehnt.

"Die Menschen sind hungrig, ihnen ist kalt, sie fühlen sich unsicher."

Philippe Lazzarini, UN-Mitarbeiter

"Nach jedem Maßstab ist die Bevölkerung von Gaza von einer humanitären Krise betroffen; von einer beispiellosen Krise", sagte der Direktor des UN-Koordinierungsbüros für humanitäre Hilfe (OCHA), Philippe Lazzarini, in Jerusalem. "Es gibt eine Lebensmittelkrise. Es gibt eine Wasserkrise, und zuallererst gibt es eine Krise, was den Schutz der Menschen in Gaza betrifft. Die Menschen sind hungrig, ihnen ist kalt, sie fühlen sich unsicher."

Man kann die jüngsten Berichte von internationalen Hilfsorganisationen lesen und sich selbst ein Bild machen von der chaotischen Lage im Gazastreifen. Beispielsweise haben nach UN-Angaben 23 Bäckereien schließen müssen, weil sie kein Kochgas aus Israel bekommen. Seitdem sind nur zehn Bäckereien geöffnet, 14 weitere arbeiten, wenn es Strom gibt. UN-Mitarbeiter verteilen jetzt Brot in den Krankenhäusern.

Am 30. Dezember wurde das einzige Kraftwerk in Gaza abgeschaltet, weil kein Industriediesel über die Grenze kam. Wegen der Beschädigung von zehn Transformatoren sowie von sechs der zehn Energieleitungen, die aus Israel kommen, leben derzeit 75 Prozent der 1,5 Millionen Palästinenser ohne Strom.

Medien Im Internet haben die israelische Armee und der arabische Sender Al-Dschasira eigene Kanäle auf der Plattform YouTube eingerichtet, um ihre Version der Realität zu verbreiten. Augenzeugen stellen Videos ins Netz, Blogger geben ihre Kommentare ab. Doch eine unabhängige Darstellung fällt schwer. Bislang hat Israel keine im Land akkreditierten Auslandskorrespondenten in den Gazastreifen gelassen.

Berichte Die Berichte beider Seiten konzentrieren sich auf die Leiden der eigenen Bevölkerung. Ihre Angaben über Tote, militärische Fortschritte und die Gesamtlage widersprechen sich extrem.

Wie die Energiekrise eine ganze Kette von Reaktionen nach sich zieht, beschreibt das Rote Kreuz. "Krankenhäuser hängen jetzt vollständig von Generatoren zur Energiegewinnung ab. Viele Generatoren sind wegen fehlender Wartung und israelischen Restriktionen bei Ersatzteilen unzuverlässig", heißt es.

Chaotische Zustände seit Beginn der israelischen Bodenoffensive

Bei den israelischen Luftangriffen sind viele Wasserrohre beschädigt worden. Nach Angaben der Wasserbehörde in Gaza haben sieben von zehn Palästinensern überhaupt kein Wasser mehr. Unbehandeltes Abwasser läuft in die Straßen oder fließt ins Meer. "Die Situation ist chaotisch, seit die israelische Armee ihre Bodenoffensive gestartet hat", so das Rote Kreuz. "Wir sind sehr besorgt wegen der Sicherheit von Zivilisten. Menschen trauen sich nicht nach draußen, nicht einmal um Dinge wie Brot zu holen."

Israel hat 80 Lastwagen mit humanitären Hilfsgütern in den Gazastreifen gelassen. Darüber hinaus wurden 200 000 Liter Diesel für das Kraftwerk und Hilfsorganisationen durchgelassen. Israel habe Hinweise, dass die Hamas Nahrungsmittel und Medikamente beschlagnahmt habe, heißt es im israelischen Verteidigungsministerium. "Die Zahl der Lastwagen ist völlig unzureichend, um die Bedürfnisse der Menschen zu decken, sagte OCHA-Direktor Lazzarini. Außerdem könnten die Hilfsorganisationen wegen der Angriffe keine Hilfsgüter wie Nahrung verteilen. "Was wir jetzt brauchen, ist eine Atempause für die Menschen."

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