68 Schulleiter warnen vor dem bildungspolitischen Aus. Im Fokus steht die Hauptschule.

Mitarbeiter eines Wachschutzunternehmens kontrollieren im Eingangsbereich der Otto-Hahn-Schule im Berliner Stadtteil Neukölln Schülerausweise.
Mitarbeiter eines Wachschutzunternehmens kontrollieren im Eingangsbereich der Otto-Hahn-Schule im Berliner Stadtteil Neukölln Schülerausweise.

Mitarbeiter eines Wachschutzunternehmens kontrollieren im Eingangsbereich der Otto-Hahn-Schule im Berliner Stadtteil Neukölln Schülerausweise.

dpa

Mitarbeiter eines Wachschutzunternehmens kontrollieren im Eingangsbereich der Otto-Hahn-Schule im Berliner Stadtteil Neukölln Schülerausweise.

Berlin/Düsseldorf. Es ist nicht einmal drei Jahre her, da sorgte ein offener Brief des Kollegiums der Rütli-Hauptschule im Berliner Bezirk Neukölln für Aufsehen. Gewaltexzesse, so beklagten die Lehrer damals, seien an der Tagesordnung. Die problematische soziale Zusammensetzung der Schülerschaft und mangelnde Integrationsbemühungen würden einen normalen Unterricht unmöglich machen. Das Brandschreiben löste bundesweit eine Diskussion um die Zukunftsfähigkeit der Hauptschule aus.

Auch in NRW kämpfen die Parteien um die richtige Schulstruktur

Doch während die Debatte immer noch läuft, gärt und brodelt es erneut in Berlin. 68 Rektoren von Schulen in sozialen Brennpunkten warnen vor dem "drohenden bildungspolitischen Aus" und einer beispiellosen Flucht von guten Schülern auf Privatschulen. Ihre Hauptkritik: Es gebe zu wenig Lehrer und Sozialarbeiter, um den Schülern gerecht zu werden - ein Problem, das vor allem auch Hauptschullehrer in NRW beklagen.

Berlins Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) glaubt, einen Weg gefunden zu haben, das Gezerre um die Hauptschulen, die bei Ausländeranteilen von mehr als 90 Prozent zunehmend ins soziale Abseits geraten, zu beenden: Er will Haupt-, Real- und Gesamtschulen zusammenführen in eine neue, von ihm Sekundarschule genannte Einheit. Daneben soll nur noch das Gymnasium bestehen bleiben. Außerdem will Zöllner das Pilotprojekt von 16 Gemeinschaftsschulen fortführen, in denen die Jugendlichen von Anfang an in einem Klassenverband zusammenbleiben. Dagegen protestiert die Opposition, vor allem die CDU, mit dem Schlagwort "Einheitsschule".

Auch in NRW kämpfen die Parteien um die richtige Schulstruktur. Nach SPD und Grünen hat sich auch die FDP vom dreigliedrigen System verabschiedet. Die Liberalen wollen eine "regionale Mittelschule". Über entsprechende Fusionen soll jede Stadt selbst entscheiden, um bei sinkender Schülerzahl auch künftig noch eine Schule mit Zugang zu mittleren Abschlüssen in der Nähe anbieten zu können. Rückendeckung bekommen sie vom Städtetag, der in einem Beschluss die Bildung von "Verbundschulen in unterschiedlicher Form bis hin zur Zusammenfassung der weiterführenden Schulen mit Ausnahme des Gymnasiums zur erweiterten Sekundarschule" befürwortet. Spielverderber ist da Schulministerin Barbara Sommer (CDU). Sie setzt auf das gegliederte System - und die "Qualitätsoffensive Hauptschule". Daran wird nicht gerüttelt.

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