Die Probleme des Palästinenserchefs sind nach dem Parteitag nicht eben kleiner geworden.

Bethlehem/Tel Aviv. Seit Jahren haben jüngere Fatah-Führer von der alten Garde mehr Mitsprache in den Entscheidungsgremien der größten Palästinenserorganisation verlangt. Die rund 2500 Delegierten des Fatah-Parteitages leiteten zwar jetzt eine Verjüngung ein, aber viele der neuen Gesichter im Zentralkomitee sind alte Hasen, die schon zum korrupten Führungszirkel von Ex-Palästinenserpräsident Jassir Arafat gehörten.

Zwei von ihnen sind die ehemaligen Geheimdienstchefs im Gazastreifen sowie im Westjordanland, Mohammed Dahlan und Dschibril Radschub. Beiden wird Folter von politischen Gegnern vorgeworfen. Allerdings werden ihnen auch gute Drähte zu den USA und Israel nachgesagt.

Der Widerstand gegen die israelische Besatzung, die aktive Teilnahme am Palästinenseraufstand (Intifada) und die Inhaftierung in israelischen Gefängnissen haben Dahlan und Radschub in der Fatah ebenso populär gemacht wie Marwan Barguti. Der heute 50-Jahre alte Barguti ist in Israel wegen fünffachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Umfragen unter den Palästinensern zufolge ist der ehemalige Fatah-Führer im Westjordanland einer der meist respektierten Politiker. Nicht nur Barguti selbst hat den Sprung in das künftig 23 Mitglieder umfassende Zentralkomitee geschafft, sondern auch mindestens vier seiner Gefolgsleute. Damit wird aus dem Barguti-Camp ein nicht zu unterschätzender neuer Machtfaktor.

Wird die Fatah einen eigenen Staat ohne Einigung mit Israel ausrufen?

"Abbas wird auf eine starke Opposition treffen", ist sich der politische Kommentator Hani Masri sicher. Sowohl für den Palästinenserpräsidenten als auch für das bisherige ZK seien Verhandlungen mit Israel die einzige Option gewesen. Mit der neuen Zusammensetzung könnte sich nun eine Mehrheit bilden, für die Verhandlungen nur eine von mehreren Optionen bedeuten. Mehrere der "neuen Wilden" haben schon zu verstehen gegeben, dass es mit ihnen keine Friedensverhandlungen bis zum St. Nimmerleinstag geben wird. Sie verlangen stattdessen einen klaren Zeitrahmen für Verhandlungen und die Ausrufung eines Palästinenserstaates.

Nach dem ersten Fatah-Parteitag in 20 Jahren könnte sich Palästinenserpräsident Mahmud Abbas eigentlich zufrieden die Hände reiben. Der 74-Jährige sitzt scheinbar unangefochten an allen Schalthebeln der Macht und hat sich nebenbei noch einer Reihe unliebsamer Konkurrenten aus der alten Parteigarde entledigt. Allerdings könnte der überraschend deutlich ausgefallene Generationswechsel bei den parteiinternen Wahlen Abbas künftig mehr Ärger bereiten, als es ihm lieb sein dürfte.

Die Fatah von Abbas und die Radikalislamisten der Hamas sind sich spinnefeind. Die Aussöhnungsgespräche dümpeln vor sich hin. Der immer wieder in Aussicht gestellte Durchbruch lässt auf sich warten. Nicht nur das Barguti-Lager, sondern auch andere neu gewählte Mitglieder des Zentralkomitees (ZK) sind der Hamas gegenüber viel offener als das alte ZK. Sie könnten versuchen, Abbas in diese Richtung zu drängen, heißt es verschiedentlich.

Aus Israel hat es viel Kritik am Parteitag und vor allem am neuen Parteiprogramm gegeben. Kommentator Masri meint dagegen, dass die meisten Mitglieder des neuen Führungsgremiums moderat und nicht radikal seien.

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