Nach dem neuen Gesetz wäre die Verschleierung in allen öffentlichen Gebäuden sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln verboten.

Paris. Klimawandel, Wirtschaftskrise, die hohe Staatsverschuldung - obwohl sich die Franzosen großen Herausforderungen ausgesetzt sehen, debattieren sie derzeit leidenschaftlich über ein Kleidungsstück: die Burka. Der Streit über ein gesetzliches Verbot der Totalverschleierung von Frauen spaltet die Nation. Am Dienstag wird die "Burka-Kommission" der Nationalversammlung voraussichtlich ein "Verbot in der Öffentlichkeit" vorschlagen. Danach wäre die Burka in allen öffentlichen Gebäuden, darunter Schulen, Universitäten und Krankenhäuser sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln untersagt. Geht es nach Jean-François Copé, Fraktionschef der regierenden Partei, könnte bei Zuwiderhandlungen sogar ein Bußgeld von 750 Euro fällig werden.

Im Juni vergangenen Jahres stellte Präsident Nicolas Sarkozy vor beiden Häusern des Kongresses klar: "Die Burka ist in Frankreich nicht willkommen." Eine Auffassung, die selbst von aufgeklärten islamischen Würdenträgern im Land geteilt wird. "In Frankreich hat die Burka keinen Platz", bekannte Hassen Chalghoumi, Imam von Drancy, kürzlich in einem Interview mit der "Le Parisien". Die EU-Politikerin Rachida Dati, Tochter maghrebinischer Einwanderer, fügte hinzu: "Die Totalverschleierung ist weder ein religiöses Symbol noch ein kulturelles, sie ist schlichtweg eine Verletzung der Menschenwürde."

Während anderswo in Europa eher rechte Politiker die Burka-Debatten aus wahltaktischen Gründen befeuern, war es in Frankreich ein orthodoxer Kommunist, der als erster zum Feldzug gegen die Burka blies. André Gerin ist Mitglied der Nationalversammlung und Verfechter einer strikten Trennung von Staat und Religion. Er steht der Parlamentskommission vor, die das Burka-Problem behandelt.

Bei den Franzosen zeigt die Burka-Debatte inzwischen Wirkung. Zwei von drei Franzosen begrüßen ein Burka-Verbot.

Bei denjenigen hingegen, die eine derartige Vorschrift zu vollstrecken hätten, regt sich Widerstand. "Wir haben jetzt schon nicht genug Personal", stöhnt ein Polizist im Magazin "Le Point". Feministinnen wenden ein, dass ein Verbot für viele Burka-Frauen verheerende Folgen hätte. Sie könnten ihre Wohnungen kaum mehr verlassen.

Nicht klar ist hingegen, wie groß das Ausmaß des Burka-Problems in Frankreich tatsächlich ist. Die Polizei sprach im vergangenen Jahr von 367 Burka-Trägerinnen. Zwar legte das Innenministerium neue Zahlen vor, wonach sich 2000 Frauen verschleiern. Doch gemessen an den 65 Millionen Einwohnern ist auch dies keine große Zahl. Was zusätzlich irritiert: Häufig handelt es sich bei Burka-Trägerinnen um gebildete Französinnen, die aus Überzeugung vom Christentum zum Islam konvertierten.

Möglich, dass die Debatte bis zu den Regionalwahlen im März für Zündstoff sorgt. Erst danach könnten die Gemäßigten die Oberhand gewinnen. Selbst Sarkozy, der ein Verbot für unpraktikabel hält, drängt auf eine von allen Parlamentfraktionen getragene symbolische Resolution.

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