Der 16. Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag lockt Zehntausende Besucher aus ganz Deutschland auf das Düsseldorfer Messegelände.

Besucher des Kinder- und Jugendhilfetags in Düsseldorf absolvieren  beim Gang zwischen den Veranstaltungshallen eine Übungseinheit Hood Training.
Besucher des Kinder- und Jugendhilfetags in Düsseldorf absolvieren beim Gang zwischen den Veranstaltungshallen eine Übungseinheit Hood Training.

Besucher des Kinder- und Jugendhilfetags in Düsseldorf absolvieren beim Gang zwischen den Veranstaltungshallen eine Übungseinheit Hood Training.

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Besucher des Kinder- und Jugendhilfetags in Düsseldorf absolvieren beim Gang zwischen den Veranstaltungshallen eine Übungseinheit Hood Training.

Düsseldorf. Die Sozialarbeiter- und Pädagogendichte dürfte derzeit auf dem Düsseldorfer Messegelände die bundesweit höchste sein. Für drei Tage wirkt der 16. Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag sowohl für Zehntausende Fachkräfte aus ganz Deutschland also auch für Jugendliche selbst als Anziehungspunkt. Vor dem CCD-Congresscenter halten Reisebusse aus Norddeutschland und dem Sauerland genauso wie aus Landshut.

Es ist Mittwochmorgen. In den Fachvorträgen geht es in diesen Stunden um Themen wie „Kinderrechte wirkungsvoll umsetzen“, „Jugendbeteiligung mit digitalen Werkzeugen“ und „Pflegefamilien – eine Chance für Kinder“. Auf dem Weg vom Congresscenter zur Messehalle 3 mit den über 250 Ständen haben Besucher derweil einen Kreis gebildet und absolvieren ein Hood Training. Das Bremer Sportkonzept wendet sich vor allem an Kinder und Jugendliche aus Stadtteilen mit erhöhtem Entwicklungsbedarf. Es geht um gegenseitigen Respekt und die Akzeptanz von Regeln.

In der Halle werden am Stand der Berliner Jugendämter gerade die Ergebnisse einer Untersuchung zur Sichtweise von Kindern und Jugendlichen auf den Hilfeplanprozess präsentiert, der eine geeignete Erziehungshilfe regeln soll. Die Fallbeispiele reichen von Jugendlichen, die nicht wussten, dass sie eine Vertrauensperson zur Beratung mitnehmen dürfen, bis zu einer sechsmonatigen Wartezeit auf einenTermin beim Jugendamt, in der kein Kontakt zur Mutter möglich war.

Immer wieder die Perspektive der Kinder und Jugendlichen einzunehmen, ist ein Ansatz des Kinder- und Jugendhilfetags. Ein zweiter: Anregungen für mehr Partizipation und Demokratiebewusstsein zu geben. Karin Böllert, Vorsitzende der veranstaltenden Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ), fordert eine „neue Demokratie-Welle“ in den Kindertagesstätten zur Entwicklung von „U6-Demokraten“. Schon in der Kita müsse es Mitbestimmungsmöglichkeiten geben. Böllert plädiert auch für das generelle Absenken des Wahlalters auf 16 Jahre.

So viele Beschäftigte wie in der deutschen Bauwirtschaft

Nach Angaben des Veranstalters arbeiten bundesweit mehr als 760 000 Menschen in der Kinder- und Jugendhilfe – „und damit so viele wie in der gesamten deutschen Bauwirtschaft und nahezu so viele wie in der deutschen Automobilindustrie“. Ihre Arbeit widmet sich rund 22 Millionen Kindern und Jugendlichen. Deutschland ist dieses Arbeitsfeld jährlich knapp 41 Milliarden Euro wert, zu über zwei Dritteln aufgebracht von den Kommunen. Den Rest steuern die Länder (29 Prozent) und der Bund (drei Prozent) bei.

Veranstalter Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) in Berlin.

Dauer 28. bis 30. März

Rhythmus Alle drei bis vier Jahre (zuletzt 2014 in Berlin).

Fachkongress 206 Fachveranstaltungen.

Fachmesse Gut 380 Aussteller an mehr als 250 Messeständen.

djht.de

Der Deutsche Kinder- und Jugendmonitor, der anlässlich der Fachmesse zusammengestellt wurde, liefert das aktuelle Datenmaterial zu diesem mächtigen Arbeitsfeld. Immer wieder wird dabei sichtbar, wie unterschiedlich die Startbedingungen in Deutschland sind. 28 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben schlechte Chancen, weil sie entweder von Armut betroffen sind oder Eltern ohne Ausbildung oder Arbeit haben. Die ungleichen Chancen allein aufgrund der Herkunft setzen sich auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt fort.

Die AGJ hat daher eine Reihe von Kernforderungen unter dem Schlagwort „Düsseldorfer Appell“ zusammengefasst: Dazu zählen eine Qualitätsoffensive bei den Kitas, eine Stärkung der Ganztagsschule, Jugendhilfe über das 18. Lebensjahr hinaus und eine nachhaltige Unterstützung für junge unbegleitete volljährige Flüchtlinge. Denn es gehe darum, gemeinsam Gesellschaft gerecht zu gestalten. Entsprechend ist auch der Titel des 16. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetages gewählt: „22 Millionen junge Chancen“.

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