Benedikt fordert eine lückenlose Aufklärung des Skandals. Kirchenreformer stellen den Zölibat auf den Prüfstand.

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In vertraulicher Umgebung lässt sich Papst Benedikt XVI. (re.) von Erzbischof Robert Zollitsch über die Missbrauchsfälle informieren.

In vertraulicher Umgebung lässt sich Papst Benedikt XVI. (re.) von Erzbischof Robert Zollitsch über die Missbrauchsfälle informieren.

Reuters

In vertraulicher Umgebung lässt sich Papst Benedikt XVI. (re.) von Erzbischof Robert Zollitsch über die Missbrauchsfälle informieren.

Rom. Eigentlich sollte es Routine sein. Robert Zollitsch wollte dem Papst in einer Audienz berichten, was auf der jüngsten Versammlung der deutschen Bischöfe so alles besprochen worden ist. Doch die sich in der Heimat türmenden Berichte über sexuellen Missbrauch und Übergriffe ließen Benedikt XVI. keine Wahl: Er musste sich im Apostolischen Palast von dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz vor Augen führen lassen, in welche Krise seine Kirche zu stürzen droht.

Benedikts Rezept nun: Er stärkt den Bischöfen nachdrücklich den Rücken, "unbeirrt und mutig" diesen Skandal aufzuarbeiten und jene Instrumente noch zu schärfen, die künftige Fälle verhindern könnten. Die Bischöfe geben sich sicher, das aus eigener Kraft tun zu können.

Vor wenigen Wochen erst musste Benedikt die irischen Bischöfe nach Rom zitieren, um ihnen nach dem Skandal dort zu sagen, was für ein "abscheuliches Verbrechen" der Missbrauch von Minderjährigen hinter Kirchenmauern sei. Jetzt galt es, mit Zollitsch nach Wegen zu suchen, um das stark beschädigte Bild der Moral-Instanz Kirche rasch wieder aufzupolieren. "Er ermutigt uns, den eingeschlagenen Weg der lückenlosen Aufklärung konsequent fortzusetzen", resümierte Zollitsch.

Vor genau zehn Jahren bat Papst Johannes Paul um Vergebung

Der Kalender wollte es, dass der Krisengipfel im Vatikan auf den Tag genau zehn Jahre nach der historischen "Beichte der katholischen Kirche" einberufen wurde: Am 12. März 2000 hatte Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. im Petersdom die Sünden der "Söhne der Kirche" in zwei Jahrtausenden bereut und bedauert. Am Freitag war es der Chef der deutschen Bischöfe, der sich (erneut) entschuldigte - bei all denen, die in Einrichtungen der Kirche leiden mussten.

Papst Benedikt hatte bereits vor zwei Jahren seine Haltung unmissverständlich demonstriert: Er traf sich in den USA als erster Papst mit Opfern pädophiler Priester und rief die Kirche dort beschämt zu "Reinigung und Erneuerung" auf. Und als er vor einem Monat die 24 Bischöfe aus Irland in den Vatikan zitierte, um die tausendfachen Missbrauchsfälle dort zu erörtern, ging es bereits darum, Opfern zu helfen und künftige Auswüchse durch eine kontrolliertere Priesterausbildung zu begrenzen.

Den Zölibat abschaffen, weg von einer zu strengen Sexualmoral? Der konservative Pontifex sieht, dass Kirchenreformer die Ehelosigkeit der Priester gerne auf den Müllhaufen der Kirchengeschichte werfen möchten. Diesen Sturm will der für den Klerus zuständige Kurienkardinal Claudio Hummes gern überstehen: "Der Zölibat ist ein Geschenk des Heiligen Geistes, das mit Überzeugung und Freude gelebt werden muss, in der allumfassenden Beziehung mit dem Herrn."

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