Die Inseln werden bis zum Jahr 2100 im Meer versinken. Ursache ist der Klimawandel.

Male. Noch sind die Malediven ein Paradies: Hunderttausende Touristen sonnen sich jedes Jahr an den Sandstränden des Inselstaates im Indischen Ozean. Die meisten der 385 000 Einheimischen bestreiten ihren Unterhalt vom Fischfang.

Doch damit könnte bald Schluss sein: Die 1190 Inseln der Malediven liegen nicht höher als einen Meter über dem Meeresspiegel. Sollte er wie prognostiziert ansteigen, würden etliche der Inseln unbewohnbar. Die Malediven würden zum ersten Opfer des Klimawandels.

Aus Sorge vor einem steigenden Meeresspiegel gingen die Malediven jetzt mit einer telegenen Inszenierung an die Öffentlichkeit: Sie verlegten eine Kabinettssitzung der Regierung auf den Meeresboden. Dort ging es unter anderem um die Evakuierung der Bevölkerung.

Bereits seit vergangenem Jahr legen die Inselbewohner Geld für eine Ersatzheimat zur Seite. Mit Milliarden aus dem Tourismusgeschäft will das Land notfalls eine neue Heimstätte kaufen.

Dem Präsidenten Mohamed Nasheed schwebt vor, dass ein Teil der Tourismuseinnahmen künftig in einen Staatsfonds abgezweigt werden. "Wir können den Klimawandel nicht selbst stoppen, also müssen wir woanders Land kaufen". Als mögliche Ersatz-Heimat sieht Nasheed Sri Lanka und Indien, weil dort das Klima und die Kultur ähnlich seien. Aber auch Australien komme wegen seiner dünn besiedelten Gegenden infrage.

Der Kampf "David gegen Goliath" stößt bei den UN auf großes Interesse

Nach Vorhersagen der Vereinten Nationen kann der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um bis zu knapp 60 Zentimeter ansteigen. Damit würden weite Teile der rund 200 bewohnten Koralleninseln überflutet und im Meer verschwinden. Insgesamt besteht der kleine Insel-Staat mit seinen rund 385 000 Einwohnern aus 1190 Inseln.

Tourismus und Fischerei sind die Haupteinnahmequellen der Bewohner. Die Malediven sind bei westlichen Urlaubern - und wegen ihrer Korallen- und Fischvielfalt besonders bei Tauchern - ausgesprochen beliebt.

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen rief die zuständigen Agenturen der Uno kürzlich in einem dringenden Appell dazu auf, den kleinen Inselstaaten umgehend zu helfen. Das steigende Meer entreiße den Inseln, die manchmal nur 20 oder wenig mehr Quadratkilometer groß sind, mehr und mehr kostbares Landes, überflute die Felder und versalze ihre Trinkwasservorräte.

Der 41-Jährige erklärte auch, dass er bereits mit einigen Ländern gesprochen habe und mit seiner Idee auf Verständnis gestoßen sei. Selbstverständlich habe er wenig Lust, seine traumhafte Heimat mit den weißen Sandstränden zu verlassen. Doch wolle er auch nicht, "dass wir zu Klimaflüchtlingen werden, die Jahrzehnte lang in Zelten leben müssen".

Während der Unterwasser-Kabinettssitzung ging es aber nicht nur um das Szenario einer Umsiedlung, sondern auch um kurzfristig zu realisierende Maßnahmen. So will Nasheed die Malediven binnen zehn Jahren zum ersten CO2-neutralen Staat weltweit machen. Es ist wie der Kampf David gegen Goliath. Ein Kampf, der bei den UN in New York aber durchaus großes Interesse erweckt - weil er die Notwendigkeit drastischer Maßnahmen gegen den Klimawandel vor Augen führt.

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