In Helmand startet die Isaf mit einheimischen Soldaten eine Groß-Offensive gegen die Taliban.

Ein US-Soldat und ein afghanischer Vater mit seinem Sohn suchen in einem Schützengraben Deckung, als Taliban-Kämpfer das Feuer eröffnen.
Ein US-Soldat und ein afghanischer Vater mit seinem Sohn suchen in einem Schützengraben Deckung, als Taliban-Kämpfer das Feuer eröffnen.

Ein US-Soldat und ein afghanischer Vater mit seinem Sohn suchen in einem Schützengraben Deckung, als Taliban-Kämpfer das Feuer eröffnen.

Britische und afghanische Soldaten treffen die letzten Vorbereitungen für ihre gemeinsame Offensive in der Provinz Helmand.

Reuters/dpa, Bild 1 von 2

Ein US-Soldat und ein afghanischer Vater mit seinem Sohn suchen in einem Schützengraben Deckung, als Taliban-Kämpfer das Feuer eröffnen.

Kabul. Vor Beginn der Operation "Muschtarak" schwor der Kommandeur einer britischen Pioniereinheit seine Soldaten auf eine schwierige Mission ein. "Es ist verdammt gefährlich dort draußen", sagte Oberstleutnant Matt Bazeley. "Wir gehen in das Herz der Finsternis." Dann rollte am Samstag in der südafghanischen Provinz Helmand die größte Offensive gegen die Aufständischen seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 an. "Muschtarak" kommt weitaus mehr Bedeutung zu als einer reinen Militäroperation. Geht es nach dem Willen der Staatengemeinschaft, soll die Offensive den Auftakt für eine Wende zum Guten in Afghanistan bilden.

15 000 Soldaten werfen die afghanische Armee und die Internationale Schutztruppe Isaf in die Schlacht gegen die Taliban, Amerikaner und Briten stellen die größten ausländischen Kontingente. "Muschtarak" bedeutet in der Landessprache Dari "Gemeinsam", einheimische und ausländische Soldaten kämpfen unter afghanischem Kommando.

Mehrere Zivilisten sollen durch zwei Raketen getötet worden sein

Anders als in der Vergangenheit wurde die jüngste Offensive Tage vorher angekündigt. Die Isaf warf Flugblätter über der Region ab, in denen die Bevölkerung aufgefordert wurde, Taliban kein Obdach zu gewähren und sich von Stellungen der Aufständischen fernzuhalten. Doch dann verfehlten am Sonntag nach Isaf-Angaben zwei Raketen der Truppen ihr Ziel um 300 Meter. Sie trafen keine Taliban-Stellung, sondern das Haus einer Familie. Zwölf Zivilisten starben.

Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal entschuldigte sich beim afghanischen Präsidenten Hamid Karsai für den Tod der Unschuldigen. Doch für die Taliban - die alles darum geben, die ausländischen Soldaten als Besatzer darzustellen - ist der erneute Vorfall Wasser auf ihre Mühlen.

Hunderte Zivilisten waren vor Beginn der Operation aus Mardscha geflohen, jenem Distrikt, den die Truppen der Kontrolle der Taliban entreißen wollen. Vom Lärm der Helikopter aufgeschreckt, eilten den Soldaten verängstigte Bewohner der 80000-Einwohner-Stadt entgegen, die sich vor den Kämpfen in Sicherheit bringen wollten. "Wir verschwinden von hier", sagte Abdul Wahaab. Er wollte mit seiner Familie in Richtung Norden fliehen, in die Provinzhauptstadt Laschkar Gah. "Überall sind Soldaten." Ein anderer Bewohner berichtete, zunächst sei es in der Nacht recht ruhig gewesen, dann aber seien Gewehrschüsse und Explosionen zu hören gewesen.

Was für den britischen Offizier das "Herz der Finsternis" ist, ist für die Menschen dort ihre Heimat, aus der die Gewalt sie nun vertrieben hat. Unter den Flüchtlingen war wenig Zuversicht zu spüren, dass die Offensive ihnen dauerhaften Frieden bringen könnte. "Dieser Krieg wird weder von den Taliban noch von den Ausländern gewonnen werden", meinte der Flüchtling Abdul Wali. Die Taliban seien Teil der Bevölkerung, sie würden während der Offensive untertauchen und ihre Waffen verstecken.

Militärisch haben die Taliban gegen die hochgerüsteten Truppen keine Chance. Bereits am Sonntag teilten die Provinzregierung von Helmand und die Militärs mit, die Offensive verlaufe erfolgreich.

"Muschtarak" dürfte auch zum Ziel haben, den Druck auf die Taliban zu erhöhen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen - und das nicht aus einer Position der Stärke heraus. Präsident Karsai rief die Aufständischen dazu auf, die Gelegenheit zu nutzen, der Gewalt abzuschwören. Bis dahin dürfte es aber noch ein weiter Weg sein.

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