Englands Premier friert mit Anti-Terror-Gesetzen isländisches Vermögen ein, um britische Ersparnisse zu retten.

Englands Premier Gordon Brown will sich Sicherheiten für britische Konten in Island beschaffen.
Englands Premier Gordon Brown will sich Sicherheiten für britische Konten in Island beschaffen.

Englands Premier Gordon Brown will sich Sicherheiten für britische Konten in Island beschaffen.

dpa

Englands Premier Gordon Brown will sich Sicherheiten für britische Konten in Island beschaffen.

London. Diplomatische Eiszeit zwischen Großbritannien und Island: Premier Gordon Brown hat mit Hilfe von Anti-Terror-Gesetzen isländisches Vermögen im Königreich eingefroren, weil sich herauskristallisiert, dass das nahezu bankrotte Land im Norden vermutlich weder britische Sparer noch Kommunen entschädigen kann.

Sie alle waren dem Lockruf isländischer Banken gefolgt und hatten ihr Vermögen auf Sparkonten mit sensationell hoher Verzinsung angelegt: Scotland Yard, Kinderkrebshospize, Stadtverwaltungen, die Londoner U-Bahn-Betreiber und viele Bürger. Bis zu zehn Milliarden Pfund sind vom Königreich nach Island transferiert worden - und könnten verloren sein, nachdem Island seine drei bankrotten Hauptbanken verstaatlicht hat.

Bei einer Summe von 35 Milliarden Pfund, die Island der Welt nun schuldet, muss der Premier fürchten, dass die Mini-Nation nicht in der Lage sein wird, den Briten ihr Geld zurückzuzahlen. Am späten Donnerstagabend ging er in die Offensive. In ungewöhnlich aggressiver Art kündigte Brown an, Anti-Terror-Gesetze anzuwenden, um das Guthaben isländischer Betriebe in Großbritannien einzufrieren und so einen Teil der gefährdeten Einlagen zurückzubekommen.

"Was in Island passiert, ist absolut inakzeptabel", sagte Brown. "Ich habe mit meinem isländischen Amtskollegen gesprochen und ihm gesagt, dass es illegal ist, unser Vermögen einzubehalten. Wo wir können, frieren wir das Guthaben isländischer Unternehmen im Königreich ein."

Während der britische Staat bei Privatpersonen einspringt, die ihr Geld auf isländischen Konten verloren haben, gilt der Einlagensicherungsschutz nicht für Institutionen, Stiftungen und Kommunen. "Wir fordern, dass alle britischen Stadtverwaltungen ihr Geld zurückerhalten", so Brown. "Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen Situation, und ich entschuldige mich für diese Maßnahmen in keinster Weise."

Island betrachtet Browns Vorstoß als "feindseligen Akt"

Rund 30 800 deutsche Kunden haben Konten bei der größten isländischen Bank Kaupthing. Insgesamt haben sie dort etwa 308 Millionen Euro angelegt. Die Konten sind gesperrt. Ob sie ihr Geld jemals wiedersehen, ist zurzeit unklar.

Es gab schon einmal einen ernsten Konflikt zwischen Island und England: 1972 schickte die Royal Navy 53 Kriegsschiffe, um eine Fischfangflotte zu beschützen, die vor Island mit Warnschüssen bedacht worden war. Man einigte sich später auf eine Fanggrenze.

Britische Rathäuser nehmen rund 145 Milliarden Pfund pro Jahr ein. Gelder, die nicht sofort gebraucht werden, sollten in sichere Anlageformen mit Höchstverzinsung investiert werden. Isländische Konten schienen ideal.

Betroffen vom Kollaps isländischer Banken sind nun über hundert Kommunen mit investierten Steuergeldern von einer Milliarde Pfund sowie gemeinnützige Organisationen mit 230 Millionen Pfund und Scotland Yard mit 20 Millionen Pfund.

Der isländische Premier reagierte erwartungsgemäß "not amused" auf die britische Attacke. "Ich habe dem Schatzkanzler mitgeteilt, dass wir das als feindseligen Akt betrachten", so Geir Haarde. Auf die Frage, ob die Finanzkrise nun eine diplomatische Krise zwischen beiden Ländern nach sich zieht, antwortete er: "Heute morgen wurde mir klar, dass Anti-Terror-Gesetze gegen uns angewendet werden. Das war nicht sehr angenehm."

Er kündigte an, "neue Freunde" finden zu wollen, was in England als Anspielung auf Russland gewertet wird, das Island nach Medienberichten einen Vier-Milliarden-Euro-Kredit gewähren will. Im Gegenzug soll der Kreml einen alten Militärstützpunkt in dem Land nutzen dürfen. Island hat diese Berichte dementiert.

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