Koran-Verbrennung: Der radikale US-Pastor sorgt für Verwirrung: Erst sagt er die Aktion ab, um dann wieder eine Kehrtwende zu machen.

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Pastor Terry Jones steht gerne im Mittelpunkt des Interesses.

Pastor Terry Jones steht gerne im Mittelpunkt des Interesses.

dpa

Pastor Terry Jones steht gerne im Mittelpunkt des Interesses.

Gainesville. Zuerst beschäftigt sich US-Präsident Barack Obama per Interview mit dem renitenten Gottesmann in Florida. Dann statten dem radikalen Pastor Terry Jones vier FBI-Beamte einen Besuch ab. In Gainesville heißt es, sie hätten ihn regelrecht in die Mangel genommen.

Schließlich ruft Verteidigungsminister Robert Gates ihn persönlich an, redet ihm ins Gewissen: Diesem geballten Druck konnte der Chef des Dove World Outreach Center nicht standhalten. Doch mit der Absage der geplanten Koran-Verbrennung stiftet der Ultra-Klerikale zugleich reichlich Verwirrung. Die Motive seines Handelns erscheinen immer bizarrer.

Jones fordert, dass am Ground Zero keine Moschee gebaut wird

Denn endgültig aufgegeben hat Jones seine Pläne nicht. Kurz nach seiner Absage kündigte er schon wieder eine mögliche Kehrtwende an. "Wir sagen die Veranstaltung nicht ab, aber wir setzen sie aus", sagte er dem Fernsehsender NBC. Er begründete das Hin und Her damit, dass sich die Voraussetzungen für die Absage der Bücherverbrennung wieder geändert hätten.

Sie beruhte nach seinen Angaben auf einer Vereinbarung mit der muslimischen Gemeinde in New York, dass der umstrittene Bau einer Moschee in der Nähe vom Ground Zero an anderer Stelle verwirklicht werden soll. Dieser von Jones proklamierte Kompromiss wurde jedoch unmittelbar nach der Verkündung von allen Seiten dementiert.

Emma Jones: "Ich habe geschrieben: Papa, lass das sein!"

Was aber sind die Motive von Jones. Einfach eine bizarre Selbstdarstellung eines verwirrten Provinzpastors, der gerne vor Fernsehkameras tritt? Die Tochter von Jones hält ihren Vater für "verrückt". Sie habe ihn in einer E-Mail dazu aufgerufen, seine geplante Koran-Verbrennung aufzugeben, sagte Emma Jones gestern in einem Interview mit "Spiegel Online". "Ich habe geschrieben: ,Papa, lass das sein!’" Geantwortet habe er nicht. Emma Jones lebt in Deutschland.

Eine Nachbarin sagt: "Pastor Jones liebt die Publicity."

"Vor 15Jahren war das einmal eine ganz normale Kirche", sagt ein Mann, der in unmittelbarer Umgebung des Gotteshauses wohnt. "Doch als Jones das Center übernahm, begann eine völlig unverständliche Radikalisierung. Niemand versteht ihn mehr", sagt der Mann, der seinen Namen nicht nennen will. "Er ist schlichtweg verrückt", meint die 69-jährige Sady Kolb, die ebenfalls in der Nachbarschaft der Kirche lebt.

Auch Jones’ Pläne der Koran-Verbrennungen seien alles andere als ein Geheimnis gewesen, meint die Frau. "Die Wahrheit: Pastor Jones liebt die Publicity, er kostet sie aus", kommentiert ein anderer Anwohner.

Derweil hielten die Proteste gegen die geplante Koran-Verbrennung an. Im afghanischen Faisabad gingen tausende Menschen auf die Straße und warfen Steine auf den dortigen Bundeswehrstützpunkt.

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