Der Wehrbeauftragte übt scharfe Kritik an der Sanitätsführung: „Klares Versagen“

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Reinhold Robbe: Der Sanitätsdienst wurde „vor die Wand gefahren“.

Reinhold Robbe: Der Sanitätsdienst wurde „vor die Wand gefahren“.

Beim Sanitätsdienst der Bundeswehr fehlen 600 Ärzte. Dabei nimmt die Zahl der verwundeten und traumatisierten Soldaten mit der Ausweitung der Auslandseinsätze zu. (Fotos (2): dpa)

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Reinhold Robbe: Der Sanitätsdienst wurde „vor die Wand gefahren“.

Berlin. Reinhold Robbe machte seinem Frust noch einmal richtig Luft. Zum Abschluss seiner fünfjährigen Amtszeit als Wehrbeauftragter fuhr er gestern besonders schwere verbale Geschütze auf, um Mängel in der Bundeswehr zu verdeutlichen. Dabei ging er so weit, dass er Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) relativ unverhohlen die Entlassung eines weiteren Generals nahe legte. Dem Inspekteur des Sanitätsdienstes warf er bei der Vorstellung seines Jahresberichts "klares Versagen" vor. Er habe den Sanitätsdienst "regelrecht vor die Wand gefahren".

Es mangelt an Hubschraubern und gepanzerten Fahrzeugen

Seine Verärgerung erklärte Robbe damit, dass er seit fünf Jahren "sehr deutlich, sehr detailliert" auf Mängel beim Sanitätsdienst hingewiesen habe. Trotzdem habe sich die Lage nicht verbessert, sondern "dramatisch verschlechtert". 600 Ärzte fehlen der Bundeswehr nach Angaben Robbes. Auf der anderen Seite gibt es angesichts der Ausweitung der Auslandseinsätze immer mehr Patienten. So verdoppelte sich die Zahl der traumatisierten Soldaten im vergangenen Jahr auf 466. Angesichts der dramatischen Zustände müsse man die Frage stellen, "ob hier die richtigen Leute die richtigen Aufgaben haben", sagte Robbe.

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Reinhold Robbe: Der Sanitätsdienst wurde „vor die Wand gefahren“.

Reinhold Robbe: Der Sanitätsdienst wurde „vor die Wand gefahren“.

Beim Sanitätsdienst der Bundeswehr fehlen 600 Ärzte. Dabei nimmt die Zahl der verwundeten und traumatisierten Soldaten mit der Ausweitung der Auslandseinsätze zu. (Fotos (2): dpa)

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Beim Sanitätsdienst der Bundeswehr fehlen 600 Ärzte. Dabei nimmt die Zahl der verwundeten und traumatisierten Soldaten mit der Ausweitung der Auslandseinsätze zu. (Fotos (2): dpa)

Seine Kritik betrifft aber auch wie in jedem Jahr Ausrüstung und Ausbildung der Soldaten. In dem Bericht ist die Rede von fehlenden Hubschraubern, Transportflugzeugen und gepanzerten Fahrzeugen. Für die Grundausbildung der Soldaten gelte: "zu viele Rekruten, zu wenige Ausbilder". Stellenweise sei "unglaubliches Improvisationstalent" notwendig, um mit den Mängeln zurecht zu kommen.

Das Führungspersonal der Bundeswehr bekommt die deftigste Kritik ab. Der Wehrbeauftragte nennt in seinem Bericht gleich mehrere Beispiele, in denen sich Vorgesetzte ganz und gar nicht wie Vorbilder verhielten. So soll ein Hauptmann auf eine Meldung, dass zwei seiner Soldaten aus psychischen Gründen aus dem afghanischen Kundus nach Deutschland zurückgeholt werden müssten, mit den Worten reagiert haben: "Was glauben die denn, wo wir hier sind? Bei einer Kaffeefahrt oder auf dem Ponyhof? Infanteristen sind in letzter Konsequenz dazu da, zu töten oder getötet zu werden."

Eine Bewertung der Arbeit des neuen Verteidigungsministers gab Robbe nicht ab. Eine Stellungnahme zur Kundus-Affäre wollte er sich aber nicht nehmen lassen. Es gebe in der Bundeswehr eine einhellige Solidarität mit Oberst Georg Klein, der den Angriff auf zwei Tanklaster am 4.September befohlen hatte. "Die Stimmung ist an der Stelle eindeutig", sagte er.

Bei dem Bombardement waren bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden. Ein Untersuchungsausschuss des Bundestags klärt derzeit die Hintergründe des Angriffs auf.

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