Der Altkanzler besucht im Februar die Machthaber in Teheran: Als Vermittler im Atomkonflikt – oder geht es auch ums Gas?

Altkanzler Gerhard Schröder zurück in der großen Politik: Der Sozialdemokrat will als erster westlicher Spitzenpolitiker die Machthaber in Iran besuchen.
Altkanzler Gerhard Schröder zurück in der großen Politik: Der Sozialdemokrat will als erster westlicher Spitzenpolitiker die Machthaber in Iran besuchen.

Altkanzler Gerhard Schröder zurück in der großen Politik: Der Sozialdemokrat will als erster westlicher Spitzenpolitiker die Machthaber in Iran besuchen.

dpa

Altkanzler Gerhard Schröder zurück in der großen Politik: Der Sozialdemokrat will als erster westlicher Spitzenpolitiker die Machthaber in Iran besuchen.

Düsseldorf. Lange hatten wir kaum etwas gehört vom Altkanzler. Dann kamen Gerüchte auf, Gerhard Schröder plane eine Reise in den Iran. Gab das allein schon Anlass zu allerlei Spekulationen, machte am Montag die knappe offizielle Bestätigung durch das Büro Schröder die ganze Sache noch geheimnisvoller: Die Reise finde vom 19. bis zum 22. Februar statt, so ein Sprecher Schröders; wen aber der Altkanzler wann und in welcher Angelegenheit in Teheran treffe - all das blieb ohne Antwort. Nur: Die Iran-Reise erfolge "in enger Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt".

Der Weltpolitiker Schröder also wieder zurück auf der ganz großen Bühne - und das sozusagen in offizieller Mission? Viele in Berlin sehen es so. Gab es für westliche Politiker unter der Regierung Bush eine Art Kontaktsperre mit den Machthabern in Iran, sucht der neue US-Präsident Barack Obama nach Gesprächskanälen unterhalb der offiziellen Ebene, um das zerrüttete Verhältnis zu normalisieren.

Nicht ausgeschlossen wird deshalb, dass Schröder in Absprache mit der neuen US-Administration und mit Rückendeckung durch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) während seiner Reise Möglichkeiten sondieren soll, den abgerissenen Gesprächsfaden zwischen den USA und Iran neu zu knüpfen.

Glaubwürdig im Atomkonflikt - aber Partei im Rennen ums iranische Gas

Schröder bringt für diese Aufgabe nicht die schlechtesten Voraussetzungen mit. Während Washington den Iran mit einer schrillen Rhetorik ("Achse des Bösen") und Kriegsdrohungen überzog, hatte Schröder in seiner Amtszeit stets das verbriefte Recht des Iran verteidigt, ein friedliches Atomprogramm zu betreiben. Er könnte also ein glaubwürdiger Vermittler sein.

Es ist aber nicht nur das iranische Atomprogramm, das Teheran zu einer wichtigen Adresse macht. Es ist auch zunehmend das Erdgas. Iran verfügt nach Russland über die größten Gasreserven. Und dahin richten sich begehrliche Blicke - aus Moskau wie aus Brüssel.

Zwei Pipeline-Projekte konkurrieren im Süden Europas um dieses Gas (siehe Grafik). Zum einen das von einem Konsortium um den österreichischen Gaskonzern OMV und RWE betriebene Nabucco-Projekt. Es soll ab 2013 unter Umgehung Russlands Gas aus Aserbaidschan über die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich bringen.

Dagegen steht die Pipeline South Stream des russischen Gasmonopolisten Gazprom und des italienischen Versorgers ENI. Sie soll ebenfalls ab 2013 von Russland aus durch das Schwarze Meer über Bulgarien führen und von dort in einem südlichen Strang Griechenland und Italien versorgen, während der nördliche Strang über Serbien und Ungarn nach Österreich führt.

Das Nabucco-Projekt - so genannt, weil bei Gründung des Konsortiums in Wien die Manager einen vergnügten Abend in dieser Verdi-Oper verbrachten - ist politisch gewollt, hat aber einen wirtschaftlichen Mangel:

Die Vorkommen aus Aserbaidschan können die Pipeline nur zu einem Drittel füllen. Deshalb der Blick nach Iran. Aber auch Gazprom blickt nach Iran, hat der russische Monopolist doch gute Karten, das Konkurrenz-Unternehmen Nabucco im Wortsinn auszutrocknen - wenn er sich die Rechte am iranischen Gas sichert.

Hier kommt nun wieder der Altkanzler ins Spiel: Er ist Aufsichtsratschef des deutsch-russischen Gemeinschaftsunternehmens North Stream, so der Name der geplanten Ostseepipeline. Und ist damit auch Gazprom verpflichtet. Gut möglich also, dass es am Ende doch so kommt, wie Gazprom-Chef Alexej Miller kürzlich prognostizierte: "Ich bin mir sicher, dass Nabucco eine wunderschöne Oper bleibt - und sonst nichts."

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