Beobachter glauben, dass der Konkurrenzkampf zwischen den Parteien die Ursache für die Anschläge sind.

wza_1500x800_577485.jpeg
Einen Tag nach den Anschlägen von Bagdad stehen Iraker zwischen der Ruine des Justizministeriums und dem Krater, den die Bombe gerissen hat.

Einen Tag nach den Anschlägen von Bagdad stehen Iraker zwischen der Ruine des Justizministeriums und dem Krater, den die Bombe gerissen hat.

dpa

Einen Tag nach den Anschlägen von Bagdad stehen Iraker zwischen der Ruine des Justizministeriums und dem Krater, den die Bombe gerissen hat.

Bagdad. Während die Rettungskräfte noch Leichen aus den Trümmern ziehen, streiten die Politiker in Bagdad bereits lautstark darüber, wer die Verantwortung für dieses neue Blutbad mit mindestens 153 Toten im Regierungsbezirk übernehmen muss. Die Regierung wettert, um von ihrem eigenen Unvermögen abzulenken, gegen Nachbarstaaten wie Syrien, die angeblich nicht genug tun, um die Terroristen und ihre Drahtzieher auf dem Weg in den Irak zu stoppen.

Die Opposition wiederum wittert ein Wahlkampfthema, mit dem sie Ministerpräsident Nuri al-Maliki und die Regierungsparteien der Kurden und religiösen Schiiten zu Fall bringen kann.

Unabhängige Beobachter sind sich unterdessen sicher, dass diese Anschläge im Regierungsviertel letztlich das Ergebnis einer unmoralischen Politik sind, die kein anderes Ziel kennt, als die persönliche Bereicherung. "Die Sicherheitskräfte sind von korrupten Elementen unterwandert, sonst wären derartige Anschläge an dieser Stelle nicht möglich", sagt einer. Tatsächlich waren nach dem Anschlag vor dem Außenministerium im vergangenen August mehrere Offiziere festgenommen worden. Doch die Details der Ermittlungen hat bislang niemand preisgegeben.

Ex-Ministerpräsident Allawi plant sein Comeback als starker Mann

"Das ist kein Staat, sondern ein Land, das von einer Gruppe von Plünderern regiert wird, die sich untereinander bekämpfen", meint ein ehemaliger Regierungsbeamter, der glaubt, dass die Anschläge von Widersachern Al-Malikis im Parlament geplant wurden. Auch der sunnitische Rat der Religionsgelehrten, der mit den Aufständischen sympathisiert, hält den Bombenterror für "das Ergebnis des heftigen Konkurrenzkampfes zwischen den Parteien und politischen Kräften, die allesamt illegale Ziele verfolgen".

Der ehemalige Ministerpräsident Ijad Allawi, der bei den für den 16.Januar geplanten Parlamentswahlen auf ein Comeback hofft, gebärdet sich derweil als starker Mann, der besser als Al-Maliki geeignet wäre, die Terroristen zu bekämpfen. "Die irakischen Streitkräfte und die Sicherheitsorgane waren nach dem Abzug der US-Truppen aus den Städten noch nicht ausreichend darauf vorbereitet, alleine die Verantwortung für die Sicherheit zu übernehmen", erklärt er.

Das mag aber niemand hören - nicht nur in der Grünen Zone von Bagdad, wo das Kabinett tagt, sondern auch in Washington. Nichts soll den von Ex-Präsident George W. Bush angekündigten und von Präsident Barack Obama noch einmal beschleunigten Abzug der US-Truppen aus dem Irak stören.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer