Der Konzern droht mit Rückzug aus dem chinesischen Markt. Doch ein Nachgeben des Staates ist wenig wahrscheinlich.

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In China arbeiten rund 700 Mitarbeiter für Google.

In China arbeiten rund 700 Mitarbeiter für Google.

dpa

In China arbeiten rund 700 Mitarbeiter für Google.

Peking. Mit Blumen haben Internetnutzer Google zu seiner Entscheidung beglückwünscht, sich nicht länger der chinesischen Zensur beugen zu wollen. "Google: echte Kerle", stand auf einem Zettel neben den bunten Sträußen, die am Mittwoch vor dem Pekinger Büro des Internet-Konzerns abgegeben wurden.

Chinesische Blogger hatten zu der Aktion aufgerufen, um Google im Kampf gegen Chinas Zensoren zu unterstützen. Die Blumen demonstrierten auch Sympathie mit den rund 700 chinesischen Mitarbeitern des US-Unternehmens, deren Arbeitsplatz jetzt bedroht ist. Google hatte angekündigt, "heikle" Internet-Inhalte nicht mehr ausfiltern zu wollen und sich notfalls nach vier Jahren am Markt auch aus China zurückzuziehen.

"Nicht Google tritt den Rückzug aus China an, sondern China zieht sich von der Welt zurück", warnte ein Kommentar das Land vor weiterer Isolation. Internetnutzer konnten am Donnerstag nicht einmal lesen, was Google erklärt hatte. Gesperrt war selbst der Blog, in dem Google-Justiziar David Drummond angekündigt hatte, notfalls das lukrative, wachsende China-Geschäft aufzugeben. "Wir haben entschieden, dass wir nicht länger bereit sind, unsere Suchergebnisse auf Google.cn zu zensieren", schrieb Drummond.

Es ist eine Kampfansage an die Zensoren - doch wird Google diesen Kampf wohl verlieren. "In Sachen Ideologie wird die Regierung niemals nachgeben", sagte der Professor für Kommunikation, Guo Ke, vom Shanghaier Institut für Internationale Studien. "Es ist der Regierung egal, ob sich Google aus China zurückzieht."

Richtig schmerzen würde der Verzicht auf den chinesischen Markt Google zurzeit allerdings nicht. Der Internetriese mit der meistbenutzten Suchmaschine weltweit liegt in China weit abgeschlagen nur auf Rang zwei. Platzhirsch ist das chinesische Unternehmen Baidu.cn mit 77 Prozent aller Suchanfragen. Wie viel das China-Geschäft zum weltweiten Umsatz von Google beiträgt, ist unklar, doch sprechen Experten von zwei Prozent. Dennoch wächst das Geschäft nirgendwo schneller als in China.

Googles Strategie der Selbstzensur hat sich nicht ausgezahlt

Den Wachstumsmarkt vor Augen, hatte Google vor vier Jahren seinen ethischen Grundsatz "Tue nichts Böses" aufgegeben und sich mit der chinesischen Zensur ins Boot begeben. Der hohe Preis der Selbstzensur hat sich nicht wirklich ausgezahlt. Chinas Behörden haben stets Baidu.cn bevorzugt. Im zurückliegenden Sommer wurde Google in Chinas Staatsmedien dafür kritisiert, pornografische Inhalte zuzulassen, obwohl die Suche bei Baidu.cn ähnliche Bilder hervorbrachte. Zur Strafe wurden Google.cn und Gmail kurzfristig gesperrt.

Es ging immer weiter. Die Behörden forderten von Google weitere Einschränkungen, während die "Firewall" um China immer höher gezogen wurde. Das Maß war für Google endgültig voll, als Hacker-Angriffe aus China im Dezember wichtige Programmcodes klauten, um sich künftig Zugang ins Google-Reich zu verschaffen. Auch wurden die Mailkonten chinesischer Menschenrechtsaktivisten ausspioniert. Der Verdacht liegt nahe, dass hinter den Hack-Angriffen offizielle Stellen in China stecken.

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