FDP und die Opposition verlangen Aufklärung der Vorgänge, die Kanzlerin schweigt. Derweil gibt es neue Vorwürfe.

Wolfgang Kumm

Berlin. Der Druck auf Bundespräsident Christian Wulff (Foto: dpa) wächst. Nach der versuchten Einflussnahme auf kritische Berichterstattung der „Bild“ zur Kreditaffäre verliert er auch in der Koalition an Rückhalt. Die SPD griff Wulff direkt an.

Die FDP-Spitze hat den Bundespräsidenten aufgefordert, die neuen Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Versuch der Medien-Beeinflussung aufzuklären. Die Affäre habe eine neue Qualität erreicht. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe forderte hingegen, die Entschuldigung Wulffs bei der „Bild“ zu akzeptieren: „Diese Entschuldigung wurde angenommen. Das sollte nun auch von allen respektiert werden.“

Der Anruf Wulffs bei der „Bild“ war offenbar kein Einzelfall. Am Dienstag wurde bekannt, dass er schon im Sommer 2011 bei einer anderen Springer-Zeitung versucht hatte, einen missliebigen Artikel zu verhindern.

Bundespräsidialamt und Kanzlerin Angela Merkel schweigen weiter zur Affäre. In der SPD wurden Zweifel laut, ob Wulff als Bundespräsident noch tragbar ist. Niemand könne sich „einen Bundespräsidenten wünschen, der den Eindruck erweckt, er sei seinem Amt weder politisch noch stilistisch gewachsen“, schrieb SPD-Chef Sigmar Gabriel im Internet. Ein zweiter Rücktritt eines Bundespräsidenten binnen zwei Jahren sei aber ebenfalls nicht wünschenswert.

Ein schneller Rücktritt gilt als unwahrscheinlich

Drei Wochen nach den ersten Enthüllungen wird auch in Kreisen der Unionsfraktion die Situation für Wulff als kritisch eingeschätzt. Ein schneller Rücktritt käme aber sehr überraschend, hieß es.

Wulff steht seit Mitte Dezember wegen seiner Kredite für den Kauf eines Eigenheimes in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident in der Kritik. Der „Stern“ erhebt neue Vorwürfe. Wulff habe als CDU-Regierungschef dem Eventmanager Manfred Schmidt indirekt bei der Sponsorensuche für private Prominentenpartys geholfen.

Auch der Touristikkonzern Tui sei von der niedersächsischen Staatskanzlei auf die Eventreihe hingewiesen worden. Zudem soll der Unternehmer Egon Geerkens Wulff bereits im Jahr 2000 geholfen haben, sein sanierungsbedürftiges Elternhaus zu verkaufen. Das meldete „Welt online“. Wulffs Anwälte bezeichneten diese Hilfe als rein freundschaftlich. Red

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