Auch aus den Reihen der Union wächst der Druck.

Neujahrsempfang des Bundespräsidenten
Bundespräsident Christian Wulff, hier beim Neujahrsempfang im Schloss Bellevue, steht weiter in der Kritik.

Bundespräsident Christian Wulff, hier beim Neujahrsempfang im Schloss Bellevue, steht weiter in der Kritik.

Wolfgang Kumm

Bundespräsident Christian Wulff, hier beim Neujahrsempfang im Schloss Bellevue, steht weiter in der Kritik.

Berlin. In der Kredit- und Medienaffäre wächst der Druck auf Bundespräsident Christian Wulff, alle Details offenzulegen. Mehrere Zeitungen entbanden Wulffs Anwalt von der Pflicht, ihre Recherche-Ergebnisse zu schützen – Fragen und Antworten zur Affäre könnten daher nun veröffentlicht werden.

Auch aus Wulffs CDU-Heimatverband Niedersachsen, der mächtigen nordrhein-westfälischen CDU und anderen Landesverbänden wurden die Rufe nach einer Offenlegung der Details lauter.

Wulff steht wegen eines Privatkredits für sein Eigenheim, kostenloser Urlaube bei Freunden aus der Wirtschaft und seines Umgangs mit den Medien seit einem Monat in der Kritik.

Wulffs Anwalt verweigert bislang die Offenlegung von Details

Wulff hatte vor einer Woche im Interview von ARD und ZDF Transparenz angekündigt und gesagt hatte: „Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger jedes Detail zu diesen Abläufen sehen und bewertet sehen, auch rechtlich.“

Wulffs Anwalt Gernot Lehr hatte die Veröffentlichung aller Informationen aber verweigert. Eine Offenlegung der Antworten auf die Anfragen von Journalisten würde deren Recht am eigenen Wort und am Schutz ihrer Recherche-Ergebnisse verletzen.

„Der Bundespräsident genießt mein Vertrauen.“

Volker Kauder, Unions-Fraktionschef

Derweil kamen erstmals Rücktrittsforderungen aus der Union.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann sagte an die Adresse Wulffs: „Mein persönlicher Rat an ihn wäre, dass er sich das nicht länger zumutet, sich, seiner Familie und dem Amt.“

Der Brandenburger CDU-Parlamentarier Hans-Georg von der Marwitz sagte: „Aufgrund der unwürdigen Diskussion der vergangenen Wochen müssen Konsequenzen gezogen werden.“

Der Fraktionschef der Union im Bundestag, Volker Kauder (CDU), stellte sich hinter den Bundespräsidenten. Spekulationen über mögliche Nachfolger wies er zurück: „Das ist Quatsch, der sich nicht toppen lässt.“

Kauder sagte: „Der Bundespräsident genießt mein Vertrauen. Es kann keine Rede davon sein, dass die Stimmung in der Fraktion kippt.“ Wulff habe das Notwendige gesagt. „Das sollte jetzt akzeptiert werden.“

Die Chefin der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International, Edda Müller, und der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Michael Konken, sagten ihre Teilnahme an Wulffs Neujahrsempfang aus Protest ab. Unions-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier (CDU) kritisierte das Fernbleiben: „Das ist stillos und falsch.“ dpa

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