In seiner Not sucht Christian Wulff die Rettung bei ARD und ZDF. Im Interview zeigt er sich demütig und wirbt um Verständnis.

Christian Wulff am Mittwoch nach dem Interview in seinem Wagen.
Christian Wulff am Mittwoch nach dem Interview in seinem Wagen.

Christian Wulff am Mittwoch nach dem Interview in seinem Wagen.

Maurizio Gambarini

Christian Wulff am Mittwoch nach dem Interview in seinem Wagen.

Berlin. Eine Viertelstunde hat Christian Wulff Zeit, seinen Job zu retten. Der Bundespräsident stellt sich ARD und ZDF im Interview, sichtlich angespannt, wie auch nicht. Er spricht schnell, gelegentlich verhaspelt er sich. Aber er lässt sich auch nicht unterbrechen durch die Fragesteller, Ulrich Deppendorf von der ARD und Bettina Schausten vom ZDF. Am Ende erlebt das Publikum einen zerknirschten Präsidenten, der um Verständnis wirbt, der Fehler zugibt. Zurücktreten will er nicht.

Es war sicher der bisher schwerste Gang des Christian Wulff. Schwer angeschlagen wendet sich das Staatsoberhaupt direkt an die Bürger. Er appelliert an ihr Mitgefühl: „Da fühlt man sich hilflos“, sagt er einmal, und wenig später: „Trotzdem ist man Mensch und macht Fehler.“ Selten spricht Wulff das Wort „Ich “ aus: „Man wird auch ein bisschen demütiger.“

Urlaub bei Freunden müsse doch möglich sein

Er erwähnt seine schwierige Kindheit, seine Familie, seine Frau. Und dass er Bundespräsident irgendwie noch lernen müsse. Dass es einen fundamentalen Unterschied geben könnte zwischen dem höchsten Amt des Staates und anderen Jobs, will er nicht gelten lassen. Urlaub bei Freunden müsse doch möglich sein, auch ohne das Gästezimmer zu bezahlen. Auch ein Bundespräsident habe Menschenrechte und müsse persönliche Freunde haben können.

Wulff: Ich habe um die Verschiebung der Veröffentlichung gebeten

In der Sache wenig Neues: Einen Verstoß gegen das Ministergesetz in Niedersachsen habe es nicht gegeben. Die Drohung gegenüber „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann spielt Wulff herunter. Ein „schwerer Fehler“ zwar, aber er habe doch nur um eine Verschiebung der Veröffentlichung über den umstrittenen Kredit gebeten. Er habe da auch eine Schutzfunktion gesehen. Dies gelte auch vor dem Hintergrund dessen, was an schmutzigen Fantasien alles im Internet über seine Frau Bettina zu lesen sei. Und er habe sich schließlich entschuldigt.

Erkennbar versucht Wulff, nicht die Journalisten, sondern die Bürger direkt zu erreichen, gibt nebenbei auch zu, dass er sein Verhältnis zu den Medien wohl neu überdenken müsse.

„Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr, ich habe sie für fünf Jahre übernommen. Und ich möchte nach fünf Jahren eine Bilanz vorlegen, dass ich ein guter, erfolgreicher Bundespräsident war; und ich mache das mit Freude und aus Überzeugung und weiß, dass ich nichts Unrechtes getan habe, aber nicht alles richtig war, was ich getan habe.“

„Der Anruf bei dem Chefredakteur der „Bild“-Zeitung war ein schwerer Fehler, der mir leidtut, für den ich mich entschuldige. Ich habe das auch sogleich nach der Rückkehr aus dem Ausland persönlich getan, es ist auch akzeptiert worden. Ich habe mich in der Erklärung vor Weihnachten ausdrücklich zum Recht der Presse- und Meinungsfreiheit bekannt, und halte das für mein eigenes Amtsverständnis nicht vereinbar.

Auch nach dem Interview sieht die SPD weiteren Erklärungsbedarf. „Es bleiben Fragen offen, die aufgeklärt werden müssen“, sagte der stellvertretende Fraktionschef Hubertus Heil am Mittwoch in Berlin. „Dass sich Christian Wulff heute den Fragen von zwei Journalisten gestellt hat, war überfällig, ist aber nicht ausreichend.“ Offen sei etwa, welches Amtsverständnis ein Bundespräsident habe, der kritische Berichterstattung zu unterbinden versuche.

Die CDU hat dagegen erleichtert auf den Auftritt des Bundespräsidenten reagiert. „Ich bin sicher, dass Christian Wulff damit erfolgreich Vertrauen in der Bevölkerung zurückgewinnen wird“, erklärte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe am Mittwochabend in Berlin.

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