Immer mehr Arbeitnehmer greifen zu Alkohol und Medikamenten. Die Fehltage steigen – und mit ihnen die Folgekosten.

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Die Zahl der Beschäftigten, die wegen einer Suchterkrankung ausfallen, steigt laut einer AOK-Studie.

Die Zahl der Beschäftigten, die wegen einer Suchterkrankung ausfallen, steigt laut einer AOK-Studie.

dpa

Die Zahl der Beschäftigten, die wegen einer Suchterkrankung ausfallen, steigt laut einer AOK-Studie.

Berlin. Stress und Überlastung am Arbeitsplatz lassen offenbar immer mehr Beschäftigte zu Suchtmitteln wie Alkohol oder Medikamenten greifen.

Nach einem am Donnerstag veröffentlichten Report der Krankenkasse AOK ist die Zahl der Krankheitstage wegen solcher Diagnosen in den vergangenen zehn Jahren um rund 17 Prozent gestiegen.

Dadurch kommt es auch zu großen wirtschaftlichen Schäden. Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie im Detail.

Welche Dimension haben die Fehlzeiten?

Allein im Bereich der AOK, die knapp ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland versichert, summierten sich die suchtbedingten Krankschreibungen im vergangenen Jahr auf 2,42 Millionen Fehltage. Vor zehn Jahren waren es 400 000 weniger gewesen. Verglichen mit den insgesamt 153 Millionen Fehltagen der AOK-Versicherten mutet das Problem zwar eher bescheiden an.

Allerdings ist die Zahl der suchtbedingten Krankschreibungen nur die Spitze des Eisbergs, wie der Vorstand der AOK, Uwe Deh, erläuterte. Denn oft würden Alkoholkranke oder Medikamentenabhängige nicht ausdrücklich wegen ihrer Sucht, sondern unter anderen Diagnosen krankgeschrieben.

Welche Suchterkrankungen dominieren?

Am stärksten unter den in der Arbeitswelt verbreiteten Abhängigkeiten sind Alkohol- und Nikotinsucht. Allein die durch Alkohol bedingten psychischen Leiden und Verhaltensstörungen führten 2012 unter den erwerbstätigen AOK-Mitgliedern zu mehr als einer Million Krankheitstagen. Rechnet man diese Zahl für alle Kassen hoch, dann wären es nach Angaben von AOK-Vorstand Deh etwa vier Millionen.

Eine am Dienstag veröffentlichte Analyse der Techniker Krankenkasse hatte die Zahl der alkoholbedingten Fehltage bundesweit nur mit 1,8 Millionen angegeben. Die deutliche Differenz könnte auf unterschiedliche Diagnosen zurückgehen.

Gibt es neue Entwicklungen?

Ja, wenn auch noch in bescheidenem Ausmaß. So sind laut AOK Psychopharmaka und Amphetamine zur Leistungssteigerung auf dem Vormarsch. Um den beruflichen Stress zu bewältigen, hätten fünf Prozent der Arbeitnehmer in den vergangenen zwölf Monaten entsprechende Medikamente eingenommen, ergab eine Befragung.

Bei den unter 30-Jährigen seien es gut acht Prozent gewesen. Die im Bereich der AOK ermittelten Fehltage wegen solcher stimulierenden Mittel haben sich seit 2002 auf etwa 30 000 vervierfacht. Wenn nichts getan werde, um der steigenden Bereitschaft zum „Gehirndoping“ zu begegnen, seien zusätzliche Probleme und Kosten absehbar, warnte AOK-Vorstand Deh.

Wie hoch sind die ökonomischen Schäden?

Hochgerechnet auf alle gesetzlich versicherten Arbeitnehmer haben Suchterkrankungen 2012 einen Verlust an Arbeitsproduktivität im Umfang von 1,3 Milliarden Euro verursacht. Der volkswirtschaftliche Schaden ist allerdings um ein Vielfaches höher. Allein die Folgekosten der Alkohol- und Tabaksucht schlagen pro Jahr mit etwa 60 Milliarden Euro zu Buche.

In der Summe sind vor allem indirekte Kosten durch Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung enthalten. Zudem gibt es etwa 54 000 Entwöhnungsbehandlungen mit einer durchschnittlichen Dauer von 88 Tagen.

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