Bis 2030 müssen rund 193 000 Kilometer neue Leitungen verlegt worden sein.

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Windstrom muss auch auf den unteren Netzebenen verteilt werden.

Windstrom muss auch auf den unteren Netzebenen verteilt werden.

dpa

Windstrom muss auch auf den unteren Netzebenen verteilt werden.

Berlin/Düsseldorf. Neben neuen Höchstspannungsleitungen, sogenannten Stromautobahnen, quer durch das Bundesgebiet braucht Deutschland einer Studie zufolge auch neue Verteilnetze, um die Energiewende zu schaffen. In einer am Dienstag  vorgestellten Analyse hat die Deutsche Energie-Agentur (Dena) bundesweit einen Neubaubedarf zwischen 135 000 und 193 000 Kilometern bis 2030 ermittelt. Zudem müssten bis zu 25 000 Kilometer im Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetz umgebaut werden.

Kunden bezahlen Ausbau und Wartung der Netze über Strompreis

Insgesamt werden 27,5 bis 42,5 Milliarden Euro veranschlagt. Die Kosten für den Ausbau und die Instandhaltung der Stromnetze tragen die Verbraucher über die Netzentgelte, die Bestandteil des Strompreises sind. Laut Dena müssen für die Verteilnetze keine neuen oberirdischen Stromtrassen gebaut werden. Es gehe um neue Erdkabel und die Umrüstung existierender Stromtrassen.

Bei Netzengpässen müssen Windparks abgeschaltet werden

Die Verteilnetze sind im übertragenen Sinn die Land-, Kreis- und Gemeindestraßen im Stromnetz, während die Stromautobahnen die Energie über lange Distanzen transportieren. Durch die überall zunehmende Wind- und Solarstromproduktion kommt den Verteilnetzen die Aufgabe zu, den Ökostrom auf den unteren Spannungsebenen zu verteilen. Die Dena betont, dass die Kapazität nicht mehr reiche, um überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien abzutransportieren. 2011 verdreifachte sich wegen der Netzengpässe die zwangsweise Abschaltung von Windparks.

Eigentlich habe die Netzagentur eine attraktive Rendite festgelegt, so Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler. Allerdings würden sich durch den hohen Ausbaubedarf oft Renditen ergeben, „die für die Verteilnetzbetreiber nicht auskömmlich sind“.

Kommunale Unternehmen: Nötige Investitionen werden abgewürgt

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) als Sprachrohr der Stadtwerke, die oft Betreiber der Verteilnetze sind, kritisierte, die derzeitigen Rahmenbedingungen würden nötige Investitionen abwürgen.

Prognose für NRW: 2,9 Milliarden Euro für die Verteilnetze

Bei den Stromautobahnen handelt es sich im Unterschied zum Verteilnetz um Trassen, die große Mengen Strom über große Distanzen transportieren sollen. Vor allem Windstrom soll so von den Küstenregionen in südlichere Teile Deutschlands gelangen.

Zunächst sind drei Stromautobahnen mit einer Gesamtlänge von 2800 Kilometern bis zum Jahr 2022 geplant. Im Westen soll eine von Emden über die Umspannanlage in Meerbusch-Osterath nach Philippsburg in Baden-Württemberg führen.

Bezogen auf die Einwohnerzahl sind in NRW nach der Dena-Analyse im Bundesländer-Vergleich die geringsten Kosten zu erwarten. Die Dena geht im Jahr 2030 von landesweit zehn Gigawatt installierter Leistung in Wind- und Solarenergie aus und veranschlagt dafür Netzinvestitionen in Höhe von 2,9 Milliarden Euro (163 pro Einwohner).

Der Grünen-Politiker Oliver Krischer sagte, die Dena operiere mit Horrorzahlen: „Aufs Jahr betrachtet reden wir von 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro. Das ist die Größenordnung, die auch früher in Verteilnetze investiert wurde.“

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