Eine repräsentative Befragung ergab: Bundesbürger sehnen sich nach einer härteren Durchsetzung von Gesetzen

Der Schriftzug «Für das Wort und die Freiheit» auf der Leipziger Buchmesse. Archivbild.
Der Schriftzug «Für das Wort und die Freiheit» auf der Leipziger Buchmesse. Archivbild.

Der Schriftzug «Für das Wort und die Freiheit» auf der Leipziger Buchmesse. Archivbild.

Jan Woitas

Der Schriftzug «Für das Wort und die Freiheit» auf der Leipziger Buchmesse. Archivbild.

Düsseldorf. In ihren Lebensentscheidungen fühlen sich die Deutschen frei – und genau das macht ihnen Angst. So wünschen sich etwa 77 Prozent der Bundesbürger eine stärkere Durchsetzung der Gesetze. Dies ist ein zentrales Ergebnis einer repräsentativen Studie des Marktforschungsinstituts Rheingold, die sich intensiv mit dem Thema Freiheit auseinandergesetzt hat. Wesentliche Fragen der Studie waren etwa, welchen Wert die Menschen in Deutschland der Freiheit zumessen – und was diese für sie persönlich bedeutet.

Methodisch bestand die Studie aus einer tiefenpsychologischen und einer statistisch-repräsentativen Befragung, bei der zunächst 44 Menschen einzeln und in Gruppen interviewt wurden. „Ein Freiheits-Wahl-O-Mat wurde entwickelt und die Ergebnisse repräsentativ bei mehr als tausend Frauen und Männern überprüft“, beschreibt Rheingold die Methodik.

Freiheit als Geschäft auf Kosten der Schwächeren

Neben einer Sehnsucht nach Obrigkeiten (54,7 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass in Deutschland zu wenig Grenzen gesetzt würden) offenbart die Studie eine Kluft zwischen den Geschlechtern im Hinblick auf das persönliche Freiheitsempfinden. Demnach fühlen sich Männer freier als Frauen – nur 2,9 Prozent der Befragten glaubte, dass Frauen freier seien als Männer. Am freiesten fühlen sich derweil ältere Menschen in Rente. Während hier 86 Prozent von Freiheit sprechen, sind es bei den 30- bis 45-Jährigen nur rund 62 Prozent. Dennoch wollen die Menschen ihre Freiheit nicht der Sicherheit opfern: 96,4 Prozent finden Freiheit wichtig, bei der Sicherheit sind es nur 95 Prozent.

Weiterhin lassen die Ergebnisse der Studie an einem Freiheitsbegriff zweifeln, der eng mit Gerechtigkeit und dem Wohl der Solidargemeinschaft verknüpft ist. Folgt man der Studie, ist Freiheit für die Befragten eher ein Geschäft, für das irgendjemand den Preis bezahlen muss – im Zweifel lieber andere als man selbst. So würde mit 22,2 Prozent nahezu jeder Vierte in Kauf nehmen, dass andere sich einschränken müssen, um selbst frei zu sein.

Für alarmierend hält die Ergebnisse der Studie auch der Philosoph und Publizist Detmar Doering von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit: „Wenn die Teilnehmer der Studie tatsächlich bereit sind, ihre persönliche Freiheit zulasten anderer zu erweitern, dann ist in diesem Land etwas faul.“ Doch kann Doering der Studie durchaus auch erfreuliche Aspekte abgewinnen: „Es hat mich positiv überrascht, dass immerhin 41,8 Prozent der Teilnehmer die Meinungsfreiheit und die körperliche Freiheit zu ihren wichtigsten persönlichen Freiheiten zählen.“

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ist eine parteinahe Stiftung der FDP auf Bundesebene. Nach ihrem Selbstverständnis will sie dazu beitragen, „dem Prinzip Freiheit in Menschenwürde in allen Bereichen der Gesellschaft Geltung zu verschaffen und politische Bildung zu vermitteln.“

Auch sei es positiv zu werten, dass die Menschen immer noch die Freiheit als höchstes Gut einstufen und gegenüber der Sicherheit Vorrang geben. Grundsätzlich will Doering die Ergebnisse der Studie nicht überbewerten: „Manche Fragen, wie die, ob die Menschen ihr Wahlrecht für eine Million Euro verkaufen würden, sind so absurd, dass ich bezweifle, dass die Antworten darauf wirkliche Aussagekraft besitzen. Sie sind eher ein interessantes Gedankenspiel.“

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