In der blauen Tasche im Bonner Hauptbahnhof befand sich zündfähiges Material – aber kein Zünder.

Terror
Die Überwachungskamera eines Schnellrestaurants im Hauptbahnhof Bonn filmte einen Mann, der womöglich die Bombentasche trägt.

Die Überwachungskamera eines Schnellrestaurants im Hauptbahnhof Bonn filmte einen Mann, der womöglich die Bombentasche trägt.

So soll der Mann aussehen, der die Tasche mit zündfähigem Material am Gleis 1 im Bonner Hauptbahnhof abgestellt hat. Phantombild: Polizei

dpa, Bild 1 von 2

Die Überwachungskamera eines Schnellrestaurants im Hauptbahnhof Bonn filmte einen Mann, der womöglich die Bombentasche trägt.

Bonn/Düsseldorf. Bewiesen ist noch nichts, aber wer die einzelnen Informationen aneinanderreiht, glaubt einen Terror-Plot zu erkennen: Bombenalarm im Bonner Hauptbahnhof, Pulver in einer abgestellten Tasche, Festnahme eines bekannten Bonner Islamisten. Vielleicht sind Bahnreisende am Montag einem Anschlag entgangen. Die Polizei warnt allerdings vor voreiligen Schlüssen.

Festgenommener bereits vor vier Jahren im Visier der Behörden

Bei dem nun festgenommenen Bonner Omar D. handelt es sich um denselben Mann, der 2008 mit seinem Freund Abdirazak B. aus einem startbereiten Flugzeug auf dem Flughafen Köln-Bonn abgeführt worden war.

Damals war berichtet worden, Omar D. und Abdirazak B. hätten über Amsterdam nach Pakistan fliegen wollen, um sich dort in einem Terrorcamp ausbilden zu lassen. Doch die Behörden hatten die Beweislage zu optimistisch eingeschätzt: Nach elf Tagen wurden Omar D. und Abdirazak B. wieder freigelassen, und eineinhalb Jahre später stellte die Bonner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen sie ein.

Diese Erfahrung dürfte mit ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass sich die Polizei am Dienstag mit Informationen zurückhielt. Aus Polizeikreisen hieß es, man verfolge viele Spuren. Die blaue Tasche von Gleis 1 gibt den Ermittlern außerdem Rätsel auf. Denn sie enthielt zwar zündfähiges Material in Form von Pulver, jedoch keinen Zünder. Und „ohne Zünder macht’s nicht Bumm“, brachte es ein Kölner Polizeisprecher auf den Punkt.

Viele NRW-Bürger bekamen die flächendeckende Fahndung der Polizei hautnah mit: Ob in Wuppertal, im Rhein-Kreis-Neuss, im Kreis Viersen, in Düsseldorf oder im Kreis Mettmann: An vielen Autobahnabfahrten führten Polizisten am Montag Abend Kontrollen durch.

Omar D. soll auf dem Weg zu seinem Anwalt gewesen sein

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, erklärte in Berlin, in dem Fall werde „höchstwahrscheinlich“ die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernehmen. Dies sei ein Hinweis auf eine mögliche Gefährdung der inneren Sicherheit. Wendt sprach vom Fund eines „gefährlichen Sprengsatzes“. Dies zeige einmal mehr, „dass wir die Aufmerksamkeit gegenüber terroristischen Gefahren in Deutschland nach wie vor hoch halten müssen“.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, bat die Bevölkerung um Aufmerksamkeit bei verdächtigen Gegenständen. „Wir müssen leider immer wieder damit rechnen, dass so etwas gerade an Bahnhöfen passieren kann“, sagte er dem Fernsehsender Phoenix. „Deutschland ist nach wie vor ein Angriffsziel von dem ein oder anderen Terroristen.“

Nach Medienberichten war Omar D. auf dem Weg zu seinem Anwalt. Der hat bereits mehrfach Salafisten aus Solingen vertreten, unter anderem auch die Konvertiten Robert B. (24) und Christian E. (29) aus Solingen, die im Juli 2010 bei der Einreise nach England in Dover unter Terrorverdacht festgenommen worden waren und Anfang Februar 2012 in London zu Haftstrafen von 12 und 16 Monaten verurteilt worden sind.

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