Mit massiven Investitionen will der Konzern die Kunden zufriedener machen. Das Programm ist auf Jahre angelegt.

Düsseldorf. Verspätungen, marode Bahnhöfe, mangelnde Informationen – für Bahnkunden führen viele Wege in die Unzufriedenheit. Jetzt soll alles besser werden: Mit dem mehrjährigen Programm „Zukunft Bahn“ hat sich der Konzern den größten Umbau seit der Bahnreform 1994 verordnet. Und der neue NRW-Konzernbevollmächtigte Werner Lübberink ist sicher: Mit der Strategie, die Kundenzufriedenheit zu steigern, sei die Bahn auf einem guten Weg, „ein erfolgreicher Anbieter in einem veränderten Wettbewerbsumfeld zu sein“.

Bis 2023 sollen weitere 150 Bahnhöfe saniert werden

4,5 Milliarden Euro werden bis 2020 allein in NRW investiert. Einer der Schwerpunkte sind die Bahnhöfe. „Von unseren 700 Bahnhöfen haben wir in den vergangenen sechs Jahren 200 saniert“, sagt Regionalbereichsleiter Martin Sigmund. „Und in den nächsten sechs Jahren werden weitere 150 Bahnhöfe folgen.“ Jährliches Investitionsvolumen: 150 Millionen Euro.

An den Bahnhöfen ist auch die Umrüstung mit Multizuganzeigen erfolgt. 26 Bahnhöfe verfügen über das verbesserte Informationssystem, das auf den Bahnsteigen auch die Folgezüge anzeigt. Im zweiten Halbjahr 2016 wurden Düsseldorf, Köln, Krefeld, Solingen und Wuppertal ausgestattet. Außerdem ermöglicht eine Fernüberwachung der Aufzüge und Fahrtreppen nicht nur eine bessere Kundeninformation per App, sondern auch eine schnellere Reparatur.

Am Kölner Hauptbahnhof soll im kommenden Jahr erstmals für NRW die neue Anlaufstelle „DB Information 4.0“ eingerichtet werden, an der Fahrgäste neben persönlichen Ansprechpartnern weitere Informationsquellen wie Computer mit Ausdruckmöglichkeit und Bildschirme finden.

Knotenkoordinatoren kontrollieren pünktlichen Start

Ein zweiter großer Schwerpunkt ist das Thema Pünktlichkeit. Seit diesem Jahr arbeiten sogenannte Knotenkoordinatoren am Kölner und Dortmunder Hauptbahnhof daran, dass dort eingesetzte Züge überhaupt erst mal pünktlich abfahren – bisher gelang das nur jedem zweiten Zug. Mittlerweile konnte die Quote in Köln auf 75 und in Dortmund auf 83 Prozent gesteigert werden. In Köln startet täglich im Schnitt 41 Züge ihre Fahrten.

Der neue, leistungsstärkere Internet-Zugang (WLAN) in den ICE-Zügen der Deutschen Bahn soll 2017 auf 85 Prozent der Strecken nutzbar sein. „Dort haben wir mindestens eine Bandbreite von zehn Megabit pro Sekunde“, sagte der Marketing-Vorstand der Bahntochter DB Fernverkehr, Michael Peterson, Dienstag in Berlin. Auf 15 Prozent der ICE-Strecken, „typischerweise in ländlichen Gebieten“, gebe es noch Lücken in der Netzabdeckung der drei Mobilfunkanbieter.

Die neue WLAN-Technik nutzt anders als bisher alle Mobilfunknetze an den Bahnstrecken und kann deren Kapazitäten bündeln. „Wir liegen im Plan, am 1. Januar geht es los“, sagte die Vorstandschefin von DB Fernverkehr, Birgit Bohle.

Zum Jahreswechsel bietet die Bahn ihr lokales Funknetz (WLAN) in den ICE auch in der 2. Klasse kostenfrei an. Fahrgäste erhalten ein Datenvolumen von 200 Megabyte (MB) pro Tag. Bis zu diesem Limit soll das Übertragungstempo bei „etwas unter einem Megabit pro Sekunde liegen“, sagte Peterson. Danach wird die Datenrate gedrosselt. Für Kunden der 1. Klasse ist das Datenvolumen nicht begrenzt. Mit dem Volumen von 200 MB lassen sich bei einer mehrstündigen Fahrt problemlos E-Mails senden und auch mit Anhängen empfangen, man kann chatten und Seiten im Internet aufrufen.

Als bundesweites Pilotprojekt sollen in NRW zudem Überwachungsteams eingerichtet werden, die Pünktlichkeitsverluste im Streckennetz untersuchen. Außerdem arbeitet die Bahn daran, dass die Züge zum „Zeigersprung“ abfahren. Tests in Köln und Hannover verliefen laut Bahn erfolgreich. Für die Kunden bedeutet das: Das Schließen der Türen wird 30 Sekunden vor der Abfahrtszeit eingeleitet, 20 Sekunden früher als bisher.

Weiterer Bestandteil von „Zukunft Bahn“ ist die Diagnose-Plattform „Diana“. Bis 2019 sollen die 5000 wichtigsten Weichen damit ausgestattet sein; aktuell sind es 1100. Mit „Diana“ wird im Stellwerk der Stromverbrauch der Weichen gemessen. Abweichungen weisen auf ein technisches Problem hin, sodass ein schneller Eingriff möglich wird. Die Bahn verspricht sich so eine Steigerung der Funktionsfähigkeit um 35 Prozent. Bundesweit kamen laut Bahn im Oktober 93,4 Prozent der Züge pünktlich oder mit Verspätungen unter fünf Minuten an.

Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ begrüßt die Bemühungen um eine Verbesserung der Pünktlichkeit. „Das wird aber konterkariert durch die Vielzahl an Baustellen“, so ein Sprecher. Mit der Wiederherstellung der vollen Verfügbarkeit des Schienennetzes habe die Bahn zu spät begonnen.

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