Kandidat für die Kanzlerschaft eckt mit Aussagen an und verliert Rückhalt bei den Bürgern.

Wolfgang Kumm

Berlin. Es war eine schwierige Woche für die SPD. Pünktlich zu Silvester zündete ihr Kanzlerkandidat ein paar Interview-Raketen, die ins eigene Haus zischten. Peer Steinbrücks Anmerkungen über zu knappe Kanzlergehälter und Angela Merkels „Frauenbonus“ kamen schlecht an – erst recht im Zusammenhang mit seinen vorher diskutierten, üppigen Vortragshonoraren und seiner Parteizugehörigkeit. Der Wahlkampfstart wirkt vermasselt.

Sozialdemokraten wollen Debatte um Steinbrück-Aussagen aussitzen

Nun versucht Merkels Herausforderer seine Äußerungen zu erklären, ohne von ihnen abzurücken. Die SPD schwankt zwischen Schweigen, Sturheit und Schadensbegrenzung. Die Berliner „Tageszeitung“ hat gleichwohl „wachsendes Gegrummel“ in der SPD-Zentrale vernommen.

„Wir sind demotiviert“, heiße es dort, nachdem doch die Debatte über Steinbrücks Honorar-Million und die Raffzahn-Vorwürfe gerade erst abgeebbt sei. Das Versäumnis der Steinbrück-Berater, die in die Interview-Sätze über Kanzlergehalt und Merkel-Bonus nicht eingriffen, gelte als „unfassbar“.

Am Samstag gab es laut „Bild am Sonntag“ eine Telefonkonferenz mit Steinbrück, Sigmar Gabriel, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und dem niedersächsischen Spitzenmann Stephan Weil.

Thema: Wie bringt die Bundes-SPD die Kanzlergehalts-Debatte rasch hinter sich, und wie kann sie trotz dieses schweren Gepäcks noch für Rückenwind in Niedersachsen sorgen, wo am 20. Januar gewählt wird? Dort hat SPD-Kandidat Weil eigentlich gute Chancen auf eine rot-grüne Regierung. Der kurze Wahlkampf wird jedoch für ihn durch Steinbrück nicht leichter.

Der Ex-Finanzminister verteidigt sich derweil unverdrossen. Es stimme doch, dass Kanzler im Vergleich zu Führungskräften in der Wirtschaft eher gering bezahlt würden. „Diese Wahrheit werde ich nicht verschweigen, auch nicht als Kanzlerkandidat.“

Zwar könne seine Äußerung missverstanden werden, doch Steinbrück wolle ein Kandidat mit Ecken und Kanten bleiben: „Ich sage, was ich denke, und ich tue, was ich sage. Das ist mein Gegenentwurf zu Politikern, die oft nur reden, wie es opportun ist.“ Soll heißen: Seine frühzeitig geforderte „Beinfreiheit“ will er sich nicht nehmen lassen – und bald mit Gerechtigkeitsthemen wie Mindestlohn punkten.

Laut Umfrage glauben 46 Prozent der Befragten an Steinbrücks Absturz

Das Wahlvolk indes ist irritiert. Laut Infratest dimap sagen 46 Prozent nach den Geld-Debatten, dass Steinbrück dieses Jahr abstürzen wird. Der „Wahrheit“ des Kandidaten widerspricht auch dies: 72 Prozent teilen nicht seine Einschätzung, dass Kanzler zu wenig verdienen, ermittelte TNS Emnid. Nur 23 Prozent finden die Aussage richtig.

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