Der Dialog soll „weder Selbstverleugnung noch Überzeugungsversuch“ sein. Im Januar berät die Synode über das Thema.

Zentralmoschee in Köln
Auf dem Dach der Moschee der Türkisch-islamischen Union Ditib steht in Köln ein goldener Halbmond.

Auf dem Dach der Moschee der Türkisch-islamischen Union Ditib steht in Köln ein goldener Halbmond.

Oliver Berg

Auf dem Dach der Moschee der Türkisch-islamischen Union Ditib steht in Köln ein goldener Halbmond.

Düsseldorf. Die Evangelische Kirche im Rheinland (Ekir) will ihr Verhältnis zu Muslimen neu justieren. Für die Landessynode im Januar hat die Kirchenleitung eine theologische Positionsbestimmung vorgelegt. „Gehen wir davon aus, dass auch die Muslime auf der Suche nach dem einen Gott sind? Oder sehen wir in ihrer Religionsausübung einen Weg, der von Gott wegführt?“, umschreibt Oberkirchenrätin Barbara Rudolph die Spannbreite der innerkirchlichen Diskussion.

Während sich die katholische Kirche schon lange festgelegt hat, dass die Muslime „mit uns den einzigen Gott anbeten“, ist die Frage unter Protestanten umstritten. Die Ekir hat zwar bereits vor 20 Jahren eine Orientierungshilfe herausgegeben mit dem Titel „Christen und Muslime nebeneinander vor dem einen Gott“. Aber in den Rückmeldungen der Basis auf eine neuerliche Arbeitshilfe zum Dialog mit Muslimen ist laut Rudolph deutlich geworden: „Es gibt einen Bedarf an praxisnahen geistlichen Anleitungen für gemeinsame Veranstaltungen.“ Das hat auch damit zu tun, dass die Erfahrungen im Umgang mit Muslimen sehr unterschiedlich ausgeprägt sind: In manchen Kirchenkreisen ist die interreligiöse Arbeit schon seit Jahren etabliert, in anderen Regionen erst im Aufbau begriffen.

Eine andere Form der Beziehung als zum Judentum

Der Entwurf der Positionsbestimmung spricht nun davon, dass Christen „auch im Islam eine Geschichte Gottes mit den Menschen sehen“ können. Es gebe aufgrund gemeinsamer biblischer Traditionen eine Beziehung zwischen Christentum und Islam, die aber anders zu beschreiben sei „als die wesentliche, bleibende Bezogenheit des Christentums auf das Judentum“. Interreligiöser Dialog mit dem Islam sei „weder Selbstverleugnung noch Überzeugungsversuch“.

Das Papier, das der Landessynode zur Beschlussfassung vorliegt, befürwortet den islamischen Religionsunterricht. Allerdings dürften dabei die hohen Standards für christlichen Religionsunterricht nicht aufgegeben werden, so Rudolph. Ihr scheidender Amtskollege Klaus Eberl sieht im nordrhein-westfälischen Beiratsmodell „eine nicht ganz verfassungskonforme rheinische Lösung“, die ohnehin nach dem Willen der neuen NRW-Landesregierung bis 2019 abgelöst werden soll. Was an ihre Stelle tritt, ist noch nicht absehbar. „Auch den islamischen Verbänden ist klar, dass nicht jede konfessionelle Prägung des Islams ihren eigenen Religionsunterricht haben kann“, sagt Eberl.

Neben diesem Schwerpunktthema wird die Synode in Bad Neuenahr bei der Einbindung Jugendlicher neue Weichen stellen. Ab 2019 ist eine dreitägige Jugendsynode geplant, die der Landessy- node vorgeschaltet ist. Je 50 Vertreter der Landessynode und der Evangelischen Jugend sollen dann Themen entwickeln und beraten, mit denen sich in der Folge die Landessynode beschäftigen wird. Man wolle auf diesem Weg eine neue Beteiligungskultur etablieren, so Eberl.

Flexibler will die Ekir auch mit einem Erprobungsgesetz werden. So könnten Experimente und neue Gemeindeformen wie Jugendkirchen „zeitlich und örtlich befristet“ ausprobiert werden, erklärt Präses Manfred Rekowski. Die „preußische Affinität“ der Landeskirche habe solche Projekte bisher eher erschwert. Mit dem Erprobungsgesetz könne ein einzelner Kirchenkreis bei den Presbyteriumswahlen auch künftig vereinfachte Verfahren ausprobieren.

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