In Pankow wehren sich Senioren gegen die Schließung einer Einrichtung – seit 44 Tagen rund um die Uhr.

Sie leisten Widerstand im vorgerückten Alter: die Rentnerinnen in Pankow.
Sie leisten Widerstand im vorgerückten Alter: die Rentnerinnen in Pankow.

Sie leisten Widerstand im vorgerückten Alter: die Rentnerinnen in Pankow.

dpa

Sie leisten Widerstand im vorgerückten Alter: die Rentnerinnen in Pankow.

Berlin. Sie wollen nicht gehen. Auch wenn sie am Morgen noch das Schild mit der Aufschrift „Seniorenfreizeitstätte“ abgeschraubt haben. Aus Ärger darüber, dass ihnen Bezirksverordnete kurzerhand erklärt hätten, ihr Treff sei doch nur ein „Bürohaus“. Sechs Stunden später ist das Schild wieder dran. Aus Trotz. Denn sie wollen bleiben, was sie sind: ein Seniorentreff. Und möglichst auch dort, wo sie sind: Stille Straße 10 im Berliner Bezirk Pankow.

Mit der Stille in dieser Straße ist das seit mittlerweile 44 Tagen so eine Sache. Seit der Bezirk Pankow Ende Juni die „Seniorenfreizeitstätte“, in der insgesamt 300 Rentnerinnen und Rentner in rund 30 Gruppen turnen, Schach und Bridge spielen oder malen, offiziell geschlossen hat, ist es vorbei mit der Ruhe – sowohl in der Stillen Straße 10 wie auch in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Pankow. Die rebellischen Rentner halten seither ihren Seniorentreff besetzt. Tag und Nacht. Das Haus aus dem Jahr 1926, so die Begründung des Bezirks für den Schritt, müsse saniert werden. Aber den Plan für die Sanierung, angesetzt mit 2,3 Millionen Euro, habe der Bezirk kurzerhand wieder kassiert. Begründung: kein Geld.

Doch die Seniorinnen und Senioren kämpfen um ihren Treff. Peter Klotsche (71), zu aktiven Zeiten „Schlosser, Schweißer, alles“, ist inzwischen eingezogen und übernachtet dort. Mit ihm halten seine Frau und vier andere Seniorinnen die Stellung. Aufgeben gilt nicht. Schmunzelnd sagt er über den Status der rüstigen Hausbesetzer: „Wir sind Illegalos.“ Der harte Kern der Senioren zählt laut Klotsche „um die 30 bis 50“ Rentner. Fritz Schmidt, mit 96 Jahren der Älteste, kommt zur „Stuhlgymnastik“.

Das Haus wird für den Träger unerschwinglich

Die Wut der Senioren richtet sich im rot-grün regierten Pankow vor allem gegen die SPD. Erst am Abend zuvor mussten sie im Bezirksfinanzausschuss erleben, wie „ihr Haus“ aus dem Finanzvermögen für Soziales ins Vermögen für Finanzen gewandert ist, wie Seniorensprecher Peter Venus erzählt. Die Folgen: Der Bestandsschutz für den Seniorentreff sei damit gekippt, zudem steige der Erbbaupachtzins deutlich. Für einen freien Träger, der zur Übernahme eingeladen sei, werde das Haus somit unerschwinglich.

Mittlerweile hat sich eine bizarre informelle Koalition gegen Rot-Grün gebildet: CDU, Linke und Piraten setzen sich für die Senioren und die Weiterführung des Hauses ein. In der Ecke liegen bunt bemalte Schirme, auf denen steht: „Wir bleiben alle.“ Mittlerweile haben es die Altersrebellen von Pankow auch in die Weltnachrichten gebracht. Der US-amerikanische Sender NBC fragte schon: „Sind diese Deutschen die ältesten Hausbesetzer der Welt?“

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