Die Politik winkt ab. Doch Schulleiter verweisen auf die Chancen dieser Schulform.

Düsseldorf/Krefeld/Wuppertal. Im Schuljahr 1980/1981 war die Welt der Hauptschulen noch in Ordnung. Damals besuchten exakt 623 974 Schüler zwischen Rhein und Weser diese Schulform. 30 Jahre später sind es nur noch gut 188 000, und die Hauptschulen kämpfen ums Überleben.

Ein Kampf, den sie allein führen. Denn die rot-grüne Landesregierung propagiert die Gemeinschaftsschule – ebenso wie der Deutsche Gewerkschaftsbund und der Verband Bildung und Erziehung. Die FDP will das Zwei-Säulen-Modell aus Mittelschule und Gymnasium. Und jetzt ändert auch die CDU ihren Kurs hin zu Verbundschulen aus Haupt- und Realschulen. Ein Konzept, von dem die Betroffenen nicht viel halten.

Schulleiter Vogel: „In einem größeren System wird es schwierig“

„Die anderen Schulformen haben schließlich auch ihre Probleme“, meint Uwe Engelbrecht, Schulleiter der katholischen Hauptschule Stephanusschule in Krefeld.

Viele Kinder, die an größeren Schulen Probleme hatten, blühen durch die intensive Betreuung an der Stephanusschule erst auf, berichtet ein Lehrer der Schule.

Ähnlich sieht es Klaus-Peter Vogel, Schulleiter der Düsseldorfer Hauptschule Bernburger Straße. „Die Kinder bekommen hier individuelle Hilfe, und die Lehrer wissen, was die Schüler können.“ In einem größeren System werde es für dieses Klientel viel schwieriger, glaubt Vogel. Niemand sage, was nach der Hauptschule komme. „Eine Verbundschule? Eine Gemeinschaftsschule?“

Eltern müssen von der Qualität der Hauptschularbeit überzeugt werden

Die Hauptschulen seien auf die speziellen Bedürfnisse eingestellt, betont auch Dirk Rasel, Leiter der Hauptschule Katernberg und Sprecher der Wuppertaler Hauptschulen. „Die Eltern erwarten von uns, dass wir einen berufsorientierten Unterbau schaffen“, sagt Rasel. Er fordert vom Schulträger eine Entscheidung. „Das ist wichtig, um auch für die Eltern Sicherheit zu schaffen.“

Engelbrecht sieht ein großes Problem darin, Eltern von der Qualität der Hauptschule zu überzeugen. „Wir müssen die Eltern von Grundschülern in unsere Schule kriegen, damit sie die Vorteile sehen und die gute Arbeit, die hier gemacht wird“, meint der Krefelder Schulleiter.

Indikator für die Arbeit einer Schule ist zum Beispiel die Qualitätsanalyse des Landes. Dafür schickt die Bezirksregierung Düsseldorf Kontrolleure in die Schulen. Die bescheinigten der Stephanusschule im vergangenen Jahr vorbildliche Arbeit – etwa was das soziale Klima, die Zufriedenheit der Beteiligten, die Qualität des Unterrichts oder die Lehrer-Kompetenzen angeht.

„Doch wie bekommt man das interessierten Eltern mitgeteilt?“, fragt Engelbrecht. Ein Tag der Offenen Tür habe sofort zu etlichen Anmeldungen geführt. „Aber generell ist es schwer, für die Hauptschule Reklame zu machen.“

Dabei ist diese Schulform keine Einbahnstraße. An der Stephanusschule etwa macht ein Drittel eines Jahrgangs die Fachoberschulreife, davon erhalten 50 Prozent noch einmal die Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe – Abitur nicht ausgeschlossen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer