Durchsuchungen in Radevormwald, Wuppertal, Düsseldorf und Essen. Drei junge Neonazis verhaftet.

kriminelle Vereinigung
Bei der Razzia sichergestellte Waffen.

Bei der Razzia sichergestellte Waffen.

dpa

Bei der Razzia sichergestellte Waffen.

Radevormwald. Mit einem Großaufgebot von mehr als 100 Beamten sind Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwochmorgen gegen junge Rechtsextreme im Bergischen Land vorgegangen.

Zeitgleich um 5 Uhr morgens durchsuchten sie 20 Wohnungen, Büros und Geschäftsräume in Radevormwald, Wuppertal, Düsseldorf und Essen, darunter das Fraktionsbüro von Pro NRW in Radevormwald. Die Partei wird wegen Extremismusverdachts vom Verfassungsschutz beobachtet.

„Wir ermitteln gegen insgesamt 18 Beschuldigte wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung“, sagte Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn von der federführenden Staatsanwaltschaft Köln.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht der „Freundeskreis Rade“, etwa 20 bis 25 junge Männer im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Sie sollen erhebliche Straftaten und Gewaltverbrechen begangen und sich zusammengeschlossen haben, um rechtsextremes Gedankengut zu verbreiten.

Zwei Verhaftete sind Mitglieder der Splitterpartei Pro NRW

Bei der Razzia wurden drei Beschuldigte (18 bis 20) verhaftet, darunter der Bruder eines Radevormwalder Pro-NRW-Ratsherren: Ihnen wird unter anderem gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die drei sollen führende Köpfe der Gruppe sein, zwei von ihnen sind Pro-NRW-Mitglieder.

Der rechtsextreme „Freundeskreis Rade“ aus Radevormwald im Bergischen Land umfasst nach Polizei-Angaben etwa 20 bis 25 junge Männer. Die Gruppe wird den Autonomen Nationalisten zugerechnet. Sie bekennen sich offen zu Gewalt gegen Polizisten und politische Gegner.

Die Polizei hält die Radevormwalder Gruppe für sehr gewaltbereit. „Sie will verängstigen und Unruhe schüren“, sagt Staatsschützer Wolfgang Joest. „Die Hemmschwelle, jemanden anzugreifen, ist sehr niedrig.“ Auch Alkohol spiele dabei eine Rolle. Aus Justizkreisen hieß es, früher hätte man eine solche Gruppe vielleicht noch als Bande abgetan. Aber seit den Mordtaten der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) wisse man, wohin das führen könne.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) zeigte sich zufrieden: Der Schlag zeige, dass das Land konsequent gegen den „braunen Sumpf“ vorgehe.

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