Nach dem Klinikskandal tritt der NRW-Chef der Krankenkasse Barmer-GEK, Heiner Beckmann, für mehr Information ein.

Barmer-GEK-Landesgeschäftsführer Heiner Beckmann wirbt um Organspender und plädiert für mehr Information.
Barmer-GEK-Landesgeschäftsführer Heiner Beckmann wirbt um Organspender und plädiert für mehr Information.

Barmer-GEK-Landesgeschäftsführer Heiner Beckmann wirbt um Organspender und plädiert für mehr Information.

Bernd Schaller

Barmer-GEK-Landesgeschäftsführer Heiner Beckmann wirbt um Organspender und plädiert für mehr Information.

Düsseldorf. Die Krankenkassen haben in den nächsten Monaten eine heikle Aufgabe vor sich. Der Auftrag des Gesetzgebers: die Mitglieder über die Organspende zu informieren und so möglichst dafür zu sorgen, dass sich mehr Menschen zur Spende bereiterklären. Vor dem Hintergrund der Manipulationen durch Ärzte bei der Organvergabe sprachen wir mit Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der Barmer GEK. Die gesetzliche Krankenkasse betreut allein in NRW 2,1 Millionen Versicherte.

Herr Beckmann, blasen Sie nach den in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Manipulationen das Projekt der Information Ihrer Versicherten ab?

Heiner Beckmann: Keinesfalls. Zum einen gibt es einen gesetzlichen Auftrag an alle Krankenkassen, also auch an uns. Zum anderen ist unser Credo: Jetzt erst recht. Wir sehen es als wichtige gesellschaftliche Aufgabe, mehr Menschen von der Notwendigkeit des Organspendens zu überzeugen. Ziel ist eine ehrliche, sachgerechte Information der Bürger.

Wie sehen denn Ihre Versicherten die Sache?

Beckmann: Wir haben zusammen mit der Bertelsmann-Stiftung nach der Organspende-Bereitschaft gefragt. Mit dem Ergebnis: 66 Prozent sind nach der neuen gesetzlichen Regelung (Entscheidungslösung) zumindest wahrscheinlich bereit, in eine Organspende einzuwilligen. Selbst 60 Prozent derjenigen, die bisher keinen Organspendeausweis besitzen, würden nach Einführung der Entscheidungslösung wahrscheinlich in eine Organspende einwilligen.

Der Skandal um mutmaßliche Manipulationen bei Organspenden hat das Vertrauen der Deutschen in die Ärzteschaft schwinden lassen. In einer repräsentativen Umfrage für den „Stern“ gaben 39 Prozent an, dass Mediziner bei ihnen an Ansehen verloren haben.

Fast Zweidrittel (64 Prozent) der Befragten zeigte sich demnach überzeugt, dass wohlhabende Kranke bei der Vergabe von Spenderorganen bevorzugt würden.

Aber diese Umfrage lag zeitlich vor Bekanntwerden der Manipulationen. Mittlerweile hat nach einer aktuellen Forsa-Umfrage ein Fünftel der Befragten gesagt, ihre Bereitschaft für eine Organspende sei gesunken.

Beckmann: Das registrieren wir. Auch haben wir schon ein paar Fälle von Versicherten, die kein Informationsschreiben von uns haben möchten. Dennoch sehen wir uns als Krankenkasse in der Verantwortung: Wir müssen aufklären und auch Mut machen. So wie wir das schon länger bei Informationsveranstaltungen etwa in Schulen tun.

„Wir müssen aufklären und auch Mut machen.“

Heiner Beckmann, Barmer GEK

Gibt es die Informationsschreiben schon?

Beckmann: Nein, der Vergabeprozess läuft. Es geht schließlich um eine Millionen-Investition, die unsere Kasse wie auch die anderen Krankenkassen zu tragen haben. Allein die Barmer GEK muss bundesweit 7,6 Millionen Informationsschreiben verschicken.

Gibt es dabei gesetzliche Vorgaben?

Beckmann: Wie die Kasse ihre Mitglieder informiert, bleibt ihr überlassen. Es gibt einige Kriterien, die zu berücksichtigen sind. Wichtig ist, dass der Empfänger in die Lage versetzt wird, sich dafür oder dagegen zu entscheiden.

Dann werden ja wohl auch nicht alle Krankenkassen ihre Versicherten zum gleichen Zeitpunkt informieren. Wann können denn Ihre Mitglieder mit Post rechnen?

Beckmann: Das dürfte im ersten Quartal des nächsten Jahres der Fall sein. Aber wir intensivieren auch jetzt schon unsere Informations- und Aufklärungsaktivitäten weiter, beispielsweise auf unseren Internetseiten.

Werden Sie dem Informationsschreiben einen Organspendeausweis beilegen?

Beckmann: Ja sicher, wer Organspender werden will, soll auch sofort eine entsprechende Hilfestellung bekommen.

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