Der Ex-BDI-Chef und Ex-AfD-Mann und Mitbegründer der Partei Alfa, Hans-Olaf Henkel, will Deutschland therapieren - der Kanzlerin wirft er ein "Helfersyndrom" vor.

Die Alfa-Politiker Hans-Olaf Henkel (l) und Joachim Starbatty bei der Buchvorstellung   "Deutschland gehört auf die Couch!" in Berlin.
Die Alfa-Politiker Hans-Olaf Henkel (l) und Joachim Starbatty bei der Buchvorstellung "Deutschland gehört auf die Couch!" in Berlin.

Die Alfa-Politiker Hans-Olaf Henkel (l) und Joachim Starbatty bei der Buchvorstellung "Deutschland gehört auf die Couch!" in Berlin.

Michael Kappeler

Die Alfa-Politiker Hans-Olaf Henkel (l) und Joachim Starbatty bei der Buchvorstellung "Deutschland gehört auf die Couch!" in Berlin.

Berlin. Dass es um die Union und die Kanzlerin nicht gut steht, ist bekannt. Der Grund dafür liegt aus Sicht von Hans-Olaf Henkel auf der Hand: Angela Merkels "Helfersyndrom" ist schuld. Ihre Neigung, alles und jeden retten zu wollen, vom Klima über den Euro bis hin zu den Flüchtlingen. Jemand anderes muss also her, der der Union und dem Land wieder auf die Beine hilft.

Der Ex-BDI-Präsident, Ex-AfD-Mann und Mitbegründer der bisher unbedeutenden Partei Alfa weiß auch schon, wer: Friedrich Merz. "Deutschland gehört auf die Couch", so der Titel des Buches, das Henkel mit dem früheren Ökonomen und Mehrfachkläger gegen den Euro, Joachim Starbatty, am Montag in Berlin präsentierte. Ausgerechnet Thilo Sarrazin stellte das Werk vor. Der Mann, der mit seinem eigenen Buch "Deutschland schafft sich ab" vor sechs Jahren die Republik in Wallung brachte. Bei seinem Auftritt gab sich Sarrazin handzahm.

In dem Buch wird der Kanzlerin vorgeworfen, sie wolle aus mangelndem Selbstwertgefühl heraus immer nur die Welt retten, ruiniere damit aber gleichzeitig das eigene Land. "Wir kämpfen um Veränderung", so Henkel, der vom Merkel-Freund zum Merkel-Kritiker mutiert ist. Deswegen habe man wie ein Arzt die Lage diagnostiziert, dann beschrieben, "was passiert, wenn nichts passiert" - und schließlich auch noch Therapien vorgeschlagen. Eine davon ist eben Friedrich Merz.

Er sei der Mann, für den jeder Headhunter plädieren würde, wenn es darum gehe, das Unternehmen CDU endlich wieder auf Vordermann zu bringen, so Henkel. Merz war mal Fraktionsvorsitzender der Union, bis er von Angela Merkel im Jahr 2002 aufs Abstellgleis geschoben wurde und sich dann aus der Politik verabschiedete. Der heute als Anwalt tätige Sauerländer erfand einst die "Bierdeckel"-Steuerreform, die nie Wirklichkeit wurde; er galt politisch als überaus talentiert und war ein sehr guter Redner. In der Tat ist es so, dass sein Name in der Union nach wie vor funkelnde Augen und gewisse Sehnsüchte auslöst. Vor allem bei den Konservativen.

Der 60-Jährige sei verlässlich, habe als Politiker überzeugt und verfüge über wirtschaftlichen Sachverstand, der an Merkels Kabinettstisch komplett fehle, erläuterte Henkel. "Wenn er gerufen würde, dann käme er. Da bin ich ganz sicher." Mit Merz als Kanzler und Parteivorsitzender "wird durch die CDU ein Ruck gehen, den sie braucht". Zugleich gebe die CSU dann Ruhe und der Aufstieg der AfD werde gebremst.

So einfach können Therapien sein. Für manchen in der CDU dürfte das alles freilich zu schön sein, um wahr zu sein. Zumal die Geschichte einen Haken hat - und zwar einen großen: Merz weiß gar nichts von seinem Glück. Man habe nicht mit ihm darüber gesprochen, räumten die Autoren ein. Hans-Olaf Henkel, Joachim Starbatty: Deutschland gehört auf die Couch. Europa-Verlag, 19,90 Euro.

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