„Gelbe Engel“ schwatzen Autofahrern angeblich unnötige Austausche auf. Der Club dementiert das.

ADAC-Präsident Meyer
ADAC-Chef Peter Meyer hat eine intensive Prüfung des Skandals veranlasst.

ADAC-Chef Peter Meyer hat eine intensive Prüfung des Skandals veranlasst.

Jan-Philipp Strobel

ADAC-Chef Peter Meyer hat eine intensive Prüfung des Skandals veranlasst.

München. Auf den ADAC prasseln immer neue Vorwürfe ein. Nach Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ und des NDR-Magazins „Panorama“ drängt der Autoclub seine Pannenhelfer, eigens für den ADAC gefertigte Auto-Batterien zu verkaufen. Dementsprechend erhöhe sich ihre Bonus-Zahlung. Der Autoclub wies die Vorwürfe Freitag zurück. „Der ADAC erzielt keinen Gewinn mit dem Austausch der Batterien im Rahmen der Pannenhilfe“, betonte ADAC-Sprecher Christian Garrels.

Den Recherchen der beiden Medien zufolge sagte ein ehemaliger Straßenwachtfahrer, der zehn Jahre als „Gelber Engel“ fuhr, zu den Folgen des Prämiensystems: „Autofahrern werden Batterien aufgeschwatzt, die sie nicht brauchen, oder die sie bei einem regulären Einkauf weit günstiger bekommen könnten.“ Auch andere Pannenhelfer hätten von entsprechendem Verkaufsdruck berichtet.

ADAC betont, dass alte Batterien vor dem Tausch getestet werden

Laut Pannenstatistik gab es im Jahr 2012 demnach 685 751 Fälle, in denen der ADAC zu liegengebliebenen Autos mit Batterie-Problemen kam. In 165 000 Fällen, also fast jedem vierten Autofahrer, habe der ADAC nach eigenen Angaben eine neue Batterie verkauft.

Der Autoclub betonte dagegen, vor dem Tausch einer Batterie werde diese mit einem Batterietester geprüft. Mit Stichproben werde bei ausgetauschten Batterien geprüft, ob sie tatsächlich defekt sind. Damit werde die Qualität des Batterieaustausches gesichert.

Der ADAC geht unterdessen möglichen weiteren Manipulationen bei seinem Autopreis „Gelber Engel“ nach. Sein Präsident Peter Meyer schließt eine gefälschte Platzierung der einzelnen Fahrzeuge bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen nicht aus. Man könne derzeit nicht mit Gewissheit sagen, ob auch daran gedreht worden sei, sagte Meyer in einem Interview der neuen ADAC-Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“. Bisher hatte es geheißen, der inzwischen abgetretene ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter habe lediglich die Stimmenzahl nach oben frisiert, die Reihenfolge der Fahrzeuge aber sei nicht betroffen.

„Wir nehmen sämtliche Vorwürfe sehr ernst und werden nicht ruhen, bis alles aufgeklärt ist – mit dem Ziel, die Glaubwürdigkeit des ADAC wiederherzustellen“, versprach Meyer in dem Interview der clubeigenen Zeitschrift. Er bekräftigte zugleich den Reformwillen des Autoclubs.

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