Marcus Hausser, Chef der Katalysator-Firma Baumot aus NRW, sieht Politik in Bewegung. Verkehrsministerium legt sich nicht fest.

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Ein BNOx-SCR-Katalysator, mit dem sich die Abgaswerte von nachgerüsteten Dieselfahrzeugen erheblich reduzieren lassen würden.

Ein BNOx-SCR-Katalysator, mit dem sich die Abgaswerte von nachgerüsteten Dieselfahrzeugen erheblich reduzieren lassen würden.

Bernd Thissen

Ein BNOx-SCR-Katalysator, mit dem sich die Abgaswerte von nachgerüsteten Dieselfahrzeugen erheblich reduzieren lassen würden.

Düsseldorf. Marcus Hausser ist davon überzeugt, dass die Bundesregierung ihre abwehrende Haltung zur Nachrüstung von Diesel-Pkw bald aufgeben wird. „Seit Andreas Scheuer Bundesverkehrsminister ist, hat sich das Klima verändert“, sagt Hausser im Gespräch mit dieser Zeitung. „Unter Alexander Dobrindt hatten offenbar die Autohersteller im Ministerium das Sagen. Das scheint jetzt anders. Die Nachrüstung für Diesel-Pkw wird ganz sicher kommen,“ äußert sich der Unternehmer zuversichtlich.

Hausser ist Vorstandsvorsitzender der Baumot-Gruppe mit Sitz in Königswinter bei Bonn. Seine mittelständische Firma gilt als einer der führenden Anbieter im Bereich der Abgasnachbehandlung. Wie leistungsfähig das Unternehmen ist, zeigen Fördermittel in Höhe von 107 Millionen Euro, die das Bundesverkehrsministerium Ende März unter anderem für die Nachrüstung mit Baumot-Systemen bewilligt hat. Mit dem Geld werden rund 28 000 Diesel-Busse modernisiert, die in den Städten unterwegs sind. Mit dabei: Köln, Düsseldorf und Dortmund. Die Nachrüstung von Krankenwagen und Müllfahrzeugen soll folgen. Die Mittel stammen aus dem „Sofortprogramm Saubere Luft“. Der Bund hat eine Milliarde Euro bereitgestellt, um vor allem die Belastung mit Stickoxiden in den Städten zu reduzieren.

„Fahrverbote lassen sich nur verhindern, wenn wir auch die Diesel-Pkw nachrüsten“, so Hausser. Dass das möglich sei, hätten zahlreiche Tests längst bewiesen. Ein von Baumot umgerüsteter Euro-5-VW-Passat reduzierte seinen Stickstoffdioxid-Ausstoß im Betrieb auf der Straße von 431 auf 49 Milligramm pro Kilometer. Damit liegt er deutlich unter dem Grenzwert für Euro 6 von 80 Milligramm. „Mit den Software-Updates, die die deutschen Hersteller zugesagt haben, lässt sich eine solche Abgasminderung nicht annährend erreichen“, so Hausser.

Nachrüstung kostet rund 2000 Euro pro Diesel-Pkw

Nach Einschätzung des Firmenchefs ist eine Umrüstung bei Fahrzeugen mit Euro 5 und Euro 4 technisch fast immer möglich. Allein in Deutschland wären das neun Millionen Autos. Hausser schätzt, dass die Umrüstung bei fünf Millionen Diesel-Pkw wirtschaftlich sinnvoll ist. Den Preis für seinen BNOx-SCR-Katalysator beziffert er auf 1500 Euro. Hinzu kommen die Einbaukosten. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen hält wie der ADAC Kosten von 2000 Euro pro Fahrzeug für realistisch. Daraus ergibt sich bei fünf Millionen Autos ein Volumen von zehn Milliarden Euro.

Das Bundesverkehrsministerium wollte sich auf Nachfrage dieser Zeitung zu Haussers Positionen nicht konkret äußern. „Wir wissen noch nicht, ob wir Hardware-Nachrüstungen überhaupt brauchen“, hieß es. Bis zum Jahresende sollen 5,3 Millionen Fahrzeuge ein Software-Update bekommen.

Dass Haussers Einschätzung richtig sein könnte, meldet unterdessen der „Spiegel“. Demnach erwägt die Bundesregierung einen Milliardenfonds zu Nachrüstung von Diesel-Pkw. Dazu prüfe die Koalition, ob die Autokonzerne fünf Milliarden Euro in den Fonds einzahlen. Weitere fünf Milliarden sollen aus Steuermitteln kommen.

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