Die Kanzlerin will wieder Kanzlerin werden - sie rechnet mit einem harten Wahlkampf. Merkel hat noch nicht fertig

Sie will es nochmal wissen: Angela Merkel  strebt eine weitere Kanzlerschaft an.
Sie will es nochmal wissen: Angela Merkel strebt eine weitere Kanzlerschaft an.

Sie will es nochmal wissen: Angela Merkel strebt eine weitere Kanzlerschaft an.

dpa

Sie will es nochmal wissen: Angela Merkel strebt eine weitere Kanzlerschaft an.

Berlin. Das ist die Routine einer Frau, die schon elf Jahre im Amt ist und es nach der Bundestagswahl 2017 noch einmal vier weitere Jahre sein will. Angela Merkel sagt am Abend vor der Presse, es seien Zeiten, in denen die Menschen wenig Verständnis hätten, "wenn ich jetzt nicht noch einmal meine ganze Erfahrung und das, was mir an Gaben und Talenten gegeben ist, in die Waagschale werfen würde, um meinen Dienst für Deutschland zu tun." Merkel, die Pflichtbewusste. Sachlich, etwas pathetisch, aber frei von Emotionen. Sie will es noch mal wissen.

Einen Merkel-Satz im Trapattoni-Stil - "ich habe fertig" - hat ernsthaft keiner erwartet. Eingetreten ist, womit stattdessen alle gerechnet haben im Konrad-Adenauer-Haus bei der Vorstandsklausur der CDU. Die Chefin will beim Parteitag Anfang Dezember in Essen als Vorsitzende wieder gewählt werden und dann als Kanzlerkandidatin ins Rennen gehen. Beides lasse sich nicht trennen, so Merkel. Es gibt aber offenkundig in der Union auch keine Alternative zu der 62-Jährigen, zumindest hat sich in den letzten Monaten keiner mehr als eine solche präsentiert. Kurz vor den Sitzungen der Parteiführung witzelt also einer hinter vorgehaltener Hand, wie die Sache ablaufen werde: Man erhebe sich nach Merkels Erklärung, klatsche kräftig und freue sich.

Tatsächlich gibt es im Vorstand "tosenden Applaus", berichten Teilnehmer, während im Präsidium Merkels Ankündigung mit lautem Klopfen auf den Tisch goutiert wird. So macht man das. Merkel betont, sie habe "Stunden um Stunden", "wieder und wieder" darüber nachgedacht, ob sie noch einmal antreten solle. Hat die Kanzlerin tatsächlich zunächst eine andere Lebensplanung gehabt? War es vielleicht US-Präsident Obama und seine Lobeshymne auf sie, die ihr den letzten Stoß gab? Es gibt keine Antworten auf diese Fragen. Merkel sagt nur: "Bei mir ist das so: Ich brauche lange, und die Entscheidungen fallen spät. Dann stehe ich auch dazu." Und es gehe ihr um "vier volle Jahre". Außerdem "wird diese Wahl wie keine zuvor - jedenfalls seit der Wiedervereinigung - schwierig". Man werde es mit Anfechtungen von allen Seiten zu tun haben. "Von rechts und einer starken polarisierten Gesellschaft", und von links durch Rot-Rot-Grün. Sie wolle dennoch wie Demokraten streiten, und "nicht hassen oder andere herabsetzen." Merkel fühlt sich von vielen herausgefordert, das ist unüberhörbar.

Doch für welche Inhalte will sie im Wahlkampf stehen? Sie muss bei ihrer Pressekonferenz danach gefragt werden: "Ich weiß genau, was wir weiter machen müssen", betont Merkel. Rente und Arbeitsplätze sichern, Digitalisierung vorantreiben, "die richtigen Leitplanken einziehen", erklärt sie. Sie fühle sich gut vorbereitet und habe "viele Ideen". Doch ob das allein schon ein erfolgreicher Plan ist, um zum vierten Mal ins Kanzleramt einzuziehen, bleibt fraglich. Innenpolitisch ist die Regierungschefin angeschlagen, nicht nur, weil sie keinen eigenen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten gefunden hat.

Merkels Union ist in einem schlechten Zustand - nur noch vier Ministerpräsidenten stellt die CDU, in den großen Städten punktet die Partei schon lange nicht mehr. Trotz oder gerade wegen des Modernisierungskurses der Vorsitzenden. Merkel hat zwar in den Umfragen noch einen Bonus, aber der überträgt sich nicht mehr automatisch auf die CDU. Und rechts von der Union ist die AfD entstanden. Die Ausgangslage ist also schlecht, aber, so heißt es, "immer noch besser als bei anderen".

Darüber hinaus sitzt der Kanzlerin die CSU im Nacken. Aus München lässt CSU-Chef Horst Seehofer wissen: "Es ist gut, dass jetzt Klarheit herrscht." Den obligatorischen Giftpfeil schießt wieder ein anderer ab: "Das muss man zunächst mal mit Respekt entgegennehmen, aber nicht automatisch mit Euphorie", stichelt der bayerische Finanzminister Markus Söder. Jubel und Freude klingen anders.

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