Keines der 17 deutschen Atomkraftwerke erreicht das höchste Schutzniveau. Vier sind besonders gefährdet.

Atomkraftwerk Philippsburg I
Bundesumweltminister Röttgen hat das Aus für vier Atomkraftwerke in Deutschland angedeutet, darunter Philippsburg I.

Bundesumweltminister Röttgen hat das Aus für vier Atomkraftwerke in Deutschland angedeutet, darunter Philippsburg I.

dpa

Bundesumweltminister Röttgen hat das Aus für vier Atomkraftwerke in Deutschland angedeutet, darunter Philippsburg I.

Berlin. Lieber kein Wort zu viel. Norbert Röttgen (CDU) hat jetzt zwar einen Bericht von 116 Seiten auf dem Tisch. Darin ist aufgeführt, wie es um die Sicherheit der 17 deutschen Akw bestellt ist.

Ob sich daraus ableiten lässt, dass die sieben ältesten Meiler plus das Problem-Kraftwerk Krümmel nach dem dreimonatigen Atom-Moratorium, das Mitte Juni ausläuft, abgeschaltet bleiben, dazu will der Bundesumweltminister keine Prognose abgeben.

Röttgen lobt sechs Wochen „harte Arbeit“, die die Mitglieder der Reaktorsicherheitskommission abgeliefert hätten. Was dabei herausgekommen ist? Deutschland sei mit dem jetzt vorgelegten Kommissionsbericht international „Vorreiter“ für die Sicherheit von Atomkraftwerken.

Expertenrunde hat sich auf die Angaben der Betreiber verlassen

Der Vorsitzende der Reaktorsicherheitskommission, Rudolf Wieland, sagt dazu, die Expertenrunde habe „Robustheitskriterien neu definiert“. Die Fachleute haben auf der Basis der Angaben der Kraftwerksbetreiber, nicht jedoch nach eigenem Augenschein, untersucht, durch welchen Schutz die Anlagen gegen Einwirkungen von außen gerüstet sind.

Nach Wielands Worten gibt es einen „großen Robustheitsgrad“ deutscher Akw. Allerdings erreiche keines der 17 Kernkraftwerke bei allen Kriterien durchgängig Schutzniveau 3, die höchste Stufe. Auch die zweithöchste Stufe, Schutzniveau 2, werde von keinem deutschen Atommeiler bei allen Kriterien erreicht.

Norbert Röttgen sieht die Politik in der Verantwortung

Allerdings gibt es nach den Worten von Röttgen bei manchen Kraftwerken einen „Mix“, da ihr Schutzniveau in einigen Prüfbereichen höchste Sicherheitsanforderungen genüge (Schutzniveau 3), in anderen Prüfsegmenten aber nur für den niedrigsten Schutz (Niveau 1) ausgelegt sei.

Der CDU-Politiker ließ jedoch durchblicken, dass zumindest jene vier Alt-Meiler auch nach Ablauf des Moratoriums dauerhaft abgeschaltet bleiben könnten, die nicht einmal gegen den Absturz eines Kleinflugzeuges ausreichend gesichert seien: Biblis A, Biblis B, Brunsbüttel und Philippsburg I.

Die Kommission selbst hatte es in ihrem Bericht vermieden, eine klare Empfehlung für das Abschalten einzelner Akw abzugeben. Röttgen verwies darauf, dass die sieben ältesten Meiler entweder über gar keinen oder nur über geringen Schutz von Niveau 1 verfügten.

Davor könne die Politik nicht die Augen verschließen. Röttgen machte deutlich, dass es „verantwortbar“ sei, „nicht Hals über Kopf“ aus der Kernkraft auszusteigen. Die Zukunft der sieben Alt-Meiler ließ er offen: „Der entscheidende Ort der Bewertung wird am Ende der Bundestag sein.“

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