Übernachtung im U-Bahnhof
Ein Banner "Winterübernachtung Ebene b" weist in Frankfurt am Main auf Übernachtungsplätze im Bahnhof hin. Foto: Andreas Arnold

Ein Banner "Winterübernachtung Ebene b" weist in Frankfurt am Main auf Übernachtungsplätze im Bahnhof hin. Foto: Andreas Arnold

Münzen liegen auf einem Teller für Spenden, den Obdachlose bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Hamburg aufgestellt haben. Foto: Bodo Marks

Zelte von Obdachlosen unter einer Brücke im Berliner Regierungsviertel: Auch 29 000 Kinder haben kein Dach überm Kopf. Foto: Paul Zinken

Ohne Perspektive: Ein Mann im Speisesaal einer Obdachlosen-Unterkunft in München. Foto: Tobias Hase

dpa, Bild 1 von 4

Ein Banner "Winterübernachtung Ebene b" weist in Frankfurt am Main auf Übernachtungsplätze im Bahnhof hin. Foto: Andreas Arnold

Berlin (dpa) - Die Zahl der wohnungslosen Menschen ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Sie wuchs von 248 000 Personen im Jahr 2010 auf zuletzt 335 000, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorlag.

Betroffen waren 29 000 Kinder und 306 000 Erwachsene, davon mit 220 000 Personen der Großteil Männer. Wohnungslos sind Menschen, die auf der Straße leben, die ohne Mietvertrag in Wohnungen auf Kosten des Staats untergebracht, in Notunterkünften oder Heimen untergebracht oder bei Verwandten untergekommen sind.

Das Bundessozialministerium stützt sich bei seinen Angaben auf Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, da es keine amtliche Statistik dazu gibt. Man nehme das Problem ernst, so das Ministerium. Die Bundesarbeitsgemeinschaft prognostizierte bis 2018 einen Zuwachs auf 536 000 wohnungslose Menschen.

«Wohnungslosigkeit liegt vielfach nicht in fehlendem Wohnraum begründet, sondern hat in der Regel eine Reihe anderer sozialer und zum Teil auch psycho-sozialer Ursachen», heißt es in der Regierungsantwort. Oft sei gezielte Hilfe nötig, weil familiäre Probleme, Sucht oder Krankheiten eine Rolle spielten. Eine Statistik zur Zahl der wohnungslosen Menschen sei bei der Regierung nicht geplant.

Die Linken-Fratkionsvize Sabine Zimmermann, die die Angaben angefragt hatte, kritisierte: «Die Bundesregierung verschließt die Augen vor der Realität, wenn sie behauptet, Wohnungslosigkeit liege vielfach nicht in fehlendem Wohnraum begründet.» Die Kombination von immer weniger bezahlbaren Wohnungen mit einer verfestigten und steigenden Einkommensarmut breiter Bevölkerungsschichten sei oft der Grund. «Es ist unerträglich, dass die Bundesregierung so tut, als ginge sie das alles nichts an.»

Armut breite sich zunehmend in Deutschland aus. «Der Wohnungslosigkeit muss der Kampf angesagt werden.» Die Regierung müsse eine Statistik zur Zahl wohnungsloser Menschen etablieren.

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