Gewalttätige Fußballfans werden für die Bundespolizei immer mehr zum Problem. Ihr Chef spricht von regelrechten Gewaltexzessen. Umso empörter reagiert der Schweriner Innenminister Caffier auf die Entscheidung eines Rostocker Haftrichters.

Bundespolizei Fußball
Gerade bei Fußballspielen kommt es immer wieder zu Rangeleien zwischen Fans und Polizeibeamten.

Gerade bei Fußballspielen kommt es immer wieder zu Rangeleien zwischen Fans und Polizeibeamten.

dpa

Gerade bei Fußballspielen kommt es immer wieder zu Rangeleien zwischen Fans und Polizeibeamten.

Potsdam/Schwerin (dpa). Gewaltbereite Fußballfans führen zu einer immer stärkeren Belastung der Bundespolizei. «Leider haben Gewaltexzesse auch stark in der dritten, vierten und fünften Liga zugenommen», sagte der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. Nach einer Statistik der Behörde wurden 2014 knapp 540 ihrer Beamten durch vorsätzliche Angriffe im Dienst verletzt - allein 161 von randalierenden Fans.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) verlangte eine konsequente Strafverfolgung. «Wir erleben nach Fußballspielen immer wieder regelrechte Gewaltorgien. Wer gezielte Angriffe auf Polizisten als Lappalie abtut, muss sich nicht wundern, wenn die Hemmschwelle immer weiter nach unten rutscht», sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Empört reagierte Caffier auf einen Rostocker Haftrichter, der Steinwürfe eines Fußballfans auf Polizisten nur als gefährliche Körperverletzung und nicht als versuchten Totschlag gewertet hatte. Das habe eine fatale Doppelwirkung, sagte der Innenminister: «Es ist demotivierend für die Polizeibeamten, die unter teilweise erheblichen Gefahren für Ordnung und Sicherheit sorgen. Und es ist motivierend für aggressive Rowdys, die scheinbar keine Grenzen mehr kennen.»

Besonders gefährdet sind Bundespolizisten, die vor und nach Fußballspielen auf Bahnhöfen und in Zügen im Einsatz sind. Die Bundespolizei bemühe sich, unbeteiligten Bahnreisenden und friedlichen Fußballfans eine störungsfreie Reise zu ermöglichen, sagte Romann. Aber: «Allen Störern muss klar sein: Wer während der Fahrt zum Spiel randaliert oder sonstige Straftaten begeht, sieht das Spiel nicht oder geht zu Fuß nach Hause.»

In der Saison 2013/2014 wurden für solche Einsätze rein rechnerisch etwa 800.000 Einsatzstunden von mehr als 113.000 Bundespolizeibeamten geleistet. Auch finanziell belastet die An- und Abreise von Fußballfans die Behörde zunehmend: In der zurückliegenden Saison fielen hierfür insgesamt mehr als 41 Millionen Euro an, berichtete Romann. In der Saison zuvor waren es etwa 38 Millionen Euro.

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