Ex-AfD-Chef Lucke sieht seine frühere Partei auf radikalem Rechtskurs - Neugründung ALFA mit Startproblemen.

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Ex-AfD-Chef Bernd Lucke sieht seine frühere Partei auf redikalem Rechtskurs. Foto: Patrick Seeger

Ex-AfD-Chef Bernd Lucke sieht seine frühere Partei auf redikalem Rechtskurs. Foto: Patrick Seeger

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Ex-AfD-Chef Bernd Lucke sieht seine frühere Partei auf redikalem Rechtskurs. Foto: Patrick Seeger

Im Juli verlor der AfD-Gründer Bernd Lucke (52) den Machtkampf mit Frauke Petry und trat aus. Nach dem AfD-Parteitag am Wochenende in Hannover sieht sich Lucke, der jetzt die neugebildete Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA) leitet, in seinen Warnungen vor einem Rechtsruck bestätigt. Unser Berliner Korrespondent Werner Kolhoff sprach mit dem Europa-Abgeordneten.

Ist die AfD aus Ihrer Sicht für bürgerliche Wähler noch wählbar?

Lucke: Nein, denn leider wird sie immer fremdenfeindlicher.

Frau Petry bemüht sich noch um einen etwas gemäßigten Kurs. Entgleiten auch ihr jetzt die Zügel im Machtkampf mit Björn Höcke?

Lucke: Ich sehe keinen Machtkampf. Das ist ein Spiel mit verteilten Rollen. Höcke spricht offen das strammrechte Spektrum an, Petry versucht die letzten Bürgerlichen zu halten. Sie hat ja gesagt, dass sie sich von Höcke nur im Stil unterscheidet, aber inhaltlich fast keine Differenzen hat.

Andererseits ist Petrys Kurs laut den Umfragen erfolgreich.

Lucke: Ich habe schon bei meinem Abgang davor gewarnt, dass die AfD sich zu einem deutschen Front National entwickeln könnte. Der hat in Frankreich mehr als 20 Prozent. Die Umfragen zur AfD bestätigen diese Befürchtung leider.

Sind Sie im Nachhinein froh, dass Sie aus der AfD ausgetreten sind?

Lucke: Ja, ich bin froh, dass ich raus bin. Ich wollte eine bürgerliche, eurokritische Partei wie jetzt ALFA, nicht eine Partei, die aus der Notlage von Flüchtlingen politisches Kapital schlägt. Der IS und dieser Bürgerkrieg im Nahen Osten sind schrecklich, und dass wir da großzügig helfen und Flüchtlinge aufnehmen, ist richtig. Wohlgemerkt: Großzügig, aber nicht unbegrenzt. Wir müssen Menschlichkeit und Realitätssinn verbinden. Dafür steht ALFA.

Wie wollen Sie denn die Zahl der Flüchtlinge begrenzen?

Lucke: Wir wollen keine fixe Zahl, sondern eine "atmende" Obergrenze. Der Bund soll die Kosten tragen, und die Kommunen entscheiden, wie viele Menschen sie aufnehmen und integrieren können. Daraus ergibt sich eine bundesweite Obergrenze, die sich neuen Situationen flexibel anpassen kann.

Ihre neue Partei ALFA kommt nicht annähernd an die fünf Prozent heran. Woran liegt das?

Lucke: Wir bauen die Partei ja noch auf. Bekannt wird man durch Wahlkämpfe. Natürlich sind die äußeren Umstände für ALFA derzeit nicht günstig, weil Themen wie die Eurokrise, die Bildungspolitik, die Nullzinsen oder die Gefährdung der Altersrenten kaum interessieren, solange die Flüchtlingskrise alles überlagert.

Wer Ängste vor Flüchtlingen hat, wird lieber die radikalere AfD wählen als ALFA.

Lucke: Keineswegs alle. Die AfD will ja sogar auf Flüchtlinge schießen, um den Grenzübertritt zu verhindern. Das muss man sich mal vorstellen. Nein, viele Wähler wollen nicht radikal wählen und suchen eine Partei, die eine vernünftige, realistische Politik vertritt. Die nicht nur einfach Willkommen heißt, sondern auch die Folgeprobleme der Integration bedenkt. Dafür gibt es ALFA. Wir werden unter keinen Umständen mit radikalen Tönen werben wie die AfD.

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