Das Bekenntnis von Gesine Lötzsch empört die Volksparteien.

Gesine Lötzsch
Gesine Lötzsch: «Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren.»

Gesine Lötzsch: «Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren.»

dpa

Gesine Lötzsch: «Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren.»

Berlin. Es ist ein handfester Eklat: Wenige Tage vor der traditionellen Gedenkdemonstration für die ermordeten Arbeiterführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sinnierte Linken-Vorsitzende Gesine Lötzsch in einem Aufsatz über den richtigen Weg zum Kommunismus und die „Barbarei“ des Kapitalismus. SPD und Union sind empört – auch deshalb, weil sie die Verbrechen der kommunistischen Diktaturen mit keinem Wort erwähnte.

Kritik gab es auch an einem geplanten Auftritt von Lötzsch bei einer Luxemburg-Konferenz am kommenden Samstag im Berliner Urania-Haus, wo sie mit der früheren RAF-Terroristin Inge Viett über das Thema „Wo bitte geht’s zum Kommunismus?“ diskutieren will.

CDU-Generalsekretär: Ziel der Linken ist die Überwindung des Systems

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe ist empört: „Die skandalöse Kommunismus-Sehnsucht von Gesine Lötzsch ist ein Schlag ins Gesicht aller Opfer dieser menschenverachtenden Ideologie.“ Einmal mehr werde klar, dass die Linkspartei die Erbin der SED sei. Sie wolle die freiheitliche Ordnung des Grundgesetzes nur taktisch nutzen und strebe eine Überwindung des politischen Systems an. „Das Ziel bleibt der Kommunismus.“

Linken-Politiker ist irritiert über die Aussagen der Parteichefin

Doch auch bei den Linken regt sich Unmut. Mecklenburg-Vorpommerns Linken-Chef Steffen Bockhahn: „Ich bin überrascht, dass der Kommunismus Ziel der Partei sein soll. Mein Ziel ist er nicht. Ich bin demokratischer Sozialist. Das ist die Gesellschaftsordnung, die ich anstrebe.“

In ihrem Aufsatz schreibt Lötzsch unter anderem: „Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung. Auf jeden Fall wird es nicht den einen Weg geben, sondern sehr viele unterschiedliche Wege, die zum Ziel führen.“ Egal, welcher Pfad zum Kommunismus führe: „Alle sind sich einig, dass es ein sehr langer und steiniger sein wird.“

Gesine Lötzsch verteidigt ihren Beitrag

Gesine Lötzsch (Foto) rückt den Begriff „Kommunismus“ ins Zentrum – dabei spielt er bei den Linken offiziell nur noch eine untergeordnete Rolle. Zwar gibt es die Parteigruppierung „Kommunistische Plattform“, ihr gehören aber nur tausend der insgesamt rund 75 000 Genossen an. Die große Mehrheit der Partei hat sich vielmehr einem Modell verschrieben, das den Namen „demokratischer Sozialismus“ trägt. Ansonsten ist in der Partei noch vieles unklar: Knallharte Opposition oder lieber mit SPD und Grünen regieren, über solche grundsätzlichen Fragen streiten Fundamentalisten und Realos.

Vor allem bei den Realos im Reformlager der Linken erntet Lötzsch Kritik. Sie hätte in ihren Text einen Hinweis auf die Opfer und auf die Distanzierung der Partei von stalinistischen Methoden aufnehmen sollen, heißt es. „Der Bruch mit dem Stalinismus ist die Konsequenz aus den Verbrechen im Namen des Kommunismus“, sagt Berlins Parteichef Klaus Lederer.
 

Gestern ruderte Lötzsch etwas zurück. Sie verteidigte zwar ihren Text, grenzte sich aber gleichzeitig vom Kommunismus ab. „Die Linke ist linkssozialistisch, wir sind und werden keine kommunistische Partei. Und ich werde auch kein Mitglied der kommunistischen Plattform.“

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