Am Freitag in Düsseldorf: Christian Lindner (l.) und Armin Laschet.
Am Freitag in Düsseldorf: Christian Lindner (l.) und Armin Laschet.

Am Freitag in Düsseldorf: Christian Lindner (l.) und Armin Laschet.

dpa

Am Freitag in Düsseldorf: Christian Lindner (l.) und Armin Laschet.

Düsseldorf. Es war ein süßliches Gesäusel zwischen dem designierten NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) und dem FDP-Chef Christian Lindner. „Gegen 1 Uhr in der Nacht hat er mir am Freitag eine SMS geschrieben, ich solle jetzt mal schlafen gehen“, berichtete Laschet bei gemeinsamer Pressekonferenz von dienstlich-privaten Vor-Sondierungen zwischen Düsseldorf und Aachen. „Ich habe ihm geantwortet: Aber ich bin in Sorge um unser Land“, sagte Laschet und lachte. Darauf kam ein „Einsam wacht“ von Lindner per elektronischer Post zurück – dann fielen wohl die Augen zu.

Es wurde am Freitag ansehnlich inszeniert unter zweifellos befreundeten Politikern, dass man sich eben doch näher ist, als man das zuletzt glauben lassen wollte. Die Kritik der Öffentlichkeit, vor allem die FDP scheue die Regierungsverantwortung, in die sie das Ergebnis der Landtagswahl trage, war angekommen bei den Protagonisten. Vor allem Lindner, der noch am Wahlabend in einer Form von innerer Sondierung gesagt hatte, Laschet sei nicht sein Wunschpartner, griff in den Harmonie-Topf. Schon im Wahlkampf seien CDU und FDP „mit einer gewissen Ritterlichkeit“ miteinander umgegangen. Tolle Ausgangsbedingungen.

Am Sonntag hätten beide Parteien Stimmen gewonnen, befand Lindner, bei der Bundestagswahl 2009 habe dagegen die FDP zulasten der Union zugelegt. Das erlaube ein „ganz anderes Klima der Eigenständigkeit aber auch der Kollegialität, in dem wir verhandeln können“.

Verhandlungsort wird nicht die „Villa Horion“ sein

Derart liebreizend wird das allerdings kaum in allen Punkten weiter gehen können zwischen Lindner und Laschet in den kommenden Wochen der Koalitionsverhandlungen. Und danach ist der omnipräsente Lindner als scheinbare Ein-Mann-Partei weg, längst in den Bundestagswahlkampf eingetaucht. Laschet wird sich mit anderen Liberalen verbrüdern müssen. Es ist Zeit für neue Karrieren, einige FDP-Politiker werden aus dem Schatten heraustreten. Zuerst Joachim Stamp, der Lindner künftig beerben und die Fraktion der FDP führen soll. „Ich komme auch mit Joachim Stamp gut klar, wir kennen uns lange aus der Arbeit hier im Landtag“, sagte Laschet am Freitag dazu. Und Lindner garantierte eine „konfliktfreie Zusammenarbeit“. Er habe Stamp bei den Themen Integration und Flüchtlingen schon sehr bewusst früh in die erste Reihe geschoben, erklärte der Parteichef und folgerte: „An unsere Leute dürfen Sie eine Professionalitätserwartung richten.“

Damit auch wirklich nichts an Schwarz-Gelb von 2005 in NRW erinnert, suchen sich CDU und FDP einen anderen Verhandlungsort. Sie wollen nicht in der „Villa Horion“ tagen, der alten Staatskanzlei am Rhein, wo 2005 das letzte schwarz-gelbe Bündnis ausgehandelt worden war. „Es ist ja eine neue Koalition“, so Laschet.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer