Das ÖPNV-Angebot soll zunächst auf drei Jahre und eine Million Tickets begrenzt sein. Verband Pro Bahn reagiert zurückhaltend.

Pendler im Kölner Hauptbahnhof. Symbolbild.
Pendler im Kölner Hauptbahnhof. Symbolbild.

Pendler im Kölner Hauptbahnhof. Symbolbild.

Marius Becker

Pendler im Kölner Hauptbahnhof. Symbolbild.

Düsseldorf. Die Grünen wollen im Landtagswahlkampf mit ihrem Konzept für ein NRW-Ticket punkten. Die Idee: Für zwei Euro am Tag soll die landesweite Nutzung von Bus und Bahn möglich sein – allerdings nur im Jahresabo für dann 730 Euro. Zweite Einschränkung: Das Konzept soll zunächst über drei Jahre erprobt und die Zahl der Tickets auf insgesamt eine Million begrenzt werden. Macht maximal 333 000 Tickets pro Jahr.

Die Testphase müsse von zusätzlichen Investitionen in die Infrastruktur in Höhe von 500 Millionen Euro jährlich begleitet werden, sagte Umweltminister Johannes Remmel. Er begründete die Vorlage des Konzepts zum jetzigen Zeitpunkt mit den Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission gegen zwölf NRW-Städte wegen Überschreitung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte sowie den neuen Pendler-Rekordzahlen. „Wir brauchen eine Antwort, die über den Individualverkehr hinausgeht.“ Zwar gebe es schon jetzt Engpässe im ÖPNV, aber er sehe noch Luft durch Taktverdichtung und Nutzung von Parallelstrecken.

Zusätzliche Bundesmittel sollen das NRW-Ticket unterstützen

Der „Dschungel von Tarifen“ müsse abgebaut werden, ergänzte Arndt Klocke, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion. Damit wollen die Grünen Bus- und Bahnfahren für Umsteiger attraktiv machen. „Das geht nur im Diskurs mit den Verkehrsverbünden.“ Das NRW-Ticket soll auch mit den zusätzlichen Regionalisierungsmitteln des Bundes unterstützt werden, die nach NRW fließen. Ab diesem Jahr steigt der NRW-Anteil an den Bundesmitteln bis 2031 um jährlich 1,8 Prozent. Ziel der Grünen ist es, nach den drei Erprobungsjahren ein landesweites Ticket für alle anbieten zu können.

Für ihr Konzept haben die Grünen auf dem Portal change.org eine Online-Petition gestartet. „Wir werden uns dafür stark machen, das Konzept in der nächsten Legislaturperiode umzusetzen“, sagte Remmel. Mit dem jetzigen Koalitionspartner gibt es dabei weitgehende Übereinstimmung: Die SPD fordert in ihrem Wahlprogramm „eine klare landeseinheitliche Tarifstruktur“ als Voraussetzung für ein landesweites NRW-Ticket. Aktuell wirbt Spitzenkandidatin Hannelore Kraft vor allem für ein vergünstigtes Azubi-Ticket, das Auszubildenden analog zum Semesterticket die ÖPNV-Nutzung in ganz NRW ermöglichen soll.

Beim Fahrgastverband Pro Bahn wurde die Grundidee der Grünen zwar begrüßt. Allerdings müsse geklärt werden, so Sprecher Lothar Ebbers, wie die Einnahmeverluste kompensiert werden sollen. Und allein die Zahl der überörtlichen Pendler, die heute mehr für ihr Monatsticket zahlten als im Grünen-Konzept, liege weit über 333 000. Damit habe man noch keinen einzigen Autofahrer zum Umstieg bewegt. Das Kompetenzcenter Marketing NRW, von den Verkehrsverbünden mit allen Fragen des NRW-Tarifs betraut, wollte keine Stellungnahme abgeben. Man habe entschieden, sich zu wahlkampfpolitischen Themen nicht zu äußern.

Von den knapp neun Millionen Beschäftigten in NRW überschreitet nach Angaben von Information und Technik (IT) NRW jeder Zweite beim Weg zur Arbeit die Grenze seines Wohnorts. Köln, Düsseldorf und Essen sind dabei die stärksten Ziele der täglichen Pendlerströme.

Der öffentliche Nahverkehr in NRW wird täglich von 5,9 Millionen Fahrgästen genutzt. Etwa die Hälfte sind Pendler.

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