Auch unter Ärzten gibt es den Ruf, bestechliche Kollegen strafrechtlich zu verfolgen.

Ärztekorruption
Wenn es nicht nur um das Wohl des Patienten geht – wie bekommt man Ärztekorruption in den Griff.

Wenn es nicht nur um das Wohl des Patienten geht – wie bekommt man Ärztekorruption in den Griff.

Wenn es nicht nur um das Wohl des Patienten geht – wie bekommt man Ärztekorruption in den Griff.

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Wenn es nicht nur um das Wohl des Patienten geht – wie bekommt man Ärztekorruption in den Griff.

Düsseldorf. Nachdem der Bundesgerichtshof im vergangenen Jahr entschieden hatte, dass freiberufliche Ärzte – anders als etwa Krankenhausärzte – nicht unter den Straftatbestand der Korruption fallen, gibt es Initiativen, eine solche Strafnorm einzuführen. Offizielle Ärztevertreter wehren sich noch dagegen.

Der Ärzteverband „Mein Essen zahl’ ich selbst“ (Mezis) hingegen glaubt nicht, dass die Ärzteschaft das Problem mit dem Standesrecht in den Griff bekommt. Wir sprachen mit dem Allgemeinmediziner Dr. Eckhard Schreiber-Weber, Vorstandsmitglied von Mezis.

Herr Dr. Schreiber-Weber, wie stehen Sie zu dem Argument, dass die Standesorganisationen das Problem der Korruption selbst in den Griff bekommen können und es keiner Strafandrohung bedarf?

Eckhard Schreiber-Weber: Wenn jetzt davon die Rede ist, dass in den vergangenen Jahren 500 Ärzte nach ärztlichem Berufsrecht bestraft wurden, ist das für uns eine völlig neue Zahl. So viele Beteuerungen, das Problem anzugehen, haben wir bislang nie gehört. Auch wir von Mezis glauben, dass zunächst die Ärzteschaft gefordert ist, mit Hilfe des Standesrechts das Problems anzugehen. Doch den Ärztekammern fehlt es sowohl an Personal, Bestechungsfälle zu verfolgen, als auch an den notwendigen Mitteln.

Wie läuft die Beeinflussung eines Arztes in der Praxis ab?

Mezis steht für „Mein Essen zahl’ ich selbst“. 450 Ärztinnen und Ärzte sind in dem Verband, der sich seit 2007 gegen Ärtzekorruption und die Beeinflussung des eigenen Berufsstands durch die Pharmaindustrie engagiert.

Dr. Eckhard Schreiber- Weber ist Gründungsmitglied und Vorstandsmitglied von Mezis. Er ist Facharzt für Allgemeinmedizin in Bad Salzuflen.

Schreiber-Weber: Das kann die Einladung eines Pharmaunternehmens zu einer Fortbildung sein, in deren Rahmen ein teures Essen bezahlt wird. Oder die Pharmavertreterin bringt Geschenke mit oder lädt den Arzt und sein Praxisteam in ein Restaurant ein. Auch gibt es die Fälle, in denen Bargeld fließt, wie etwa bei sogenannten Anwendungsstudien.

Wie funktioniert das?

Schreiber-Weber: Der Pharmavertreter wirbt beim Arzt für ein neues Medikament. Der Arzt füllt immer dann, wenn er es einem Patienten verschrieben hat, einen Bogen aus, in dem er etwas zu der Verträglichkeit und Wirksamkeit beim Patienten ankreuzt. Für jeden zurückgesandten Bogen kassiert er dann bis zu einem dreistelligen Euro-Betrag.

Ist das denn zum Schaden des Patienten?

Schreiber-Weber: Das kann es sein, oft geht es nur um Scheininnovationen: Medikamente, die schnell auf den Markt gebracht wurden und die keinen therapeutischen Zusatznutzen haben, schlimmstenfalls die Gesundheit schädigen. Oder aber, und das ist praktisch immer der Fall: Sie sind erheblich teurer als die zuvor verabreichten Medikamente. Das Geld fehlt dann den Krankenkassen für wichtige Aufgaben, etwa im Bereich der Prävention.

Was empfehlen Sie den Patienten?

Schreiber-Weber: Kritisch nachzufragen, warum der Arzt plötzlich ein neues Medikament empfiehlt. Nachfragen, ob dies im Rahmen einer Anwendungsstudie geschieht.

Und was raten Sie Ihren Ärztekollegen?

Schreiber-Weber: Ganz einfach: Keine Geschenke, keine Einladungen annehmen. Keine Pharmavertreter mehr empfangen. So halte ich es in meiner Praxis schon länger.

Aber wie erfahren Sie dann etwas über medizinische Innovationen?

Schreiber-Weber: Es gibt gute unabhängige Pharmapublikationen, Empfehlungen von den Kassenärztlichen Vereinigungen und Fortbildungsveranstaltungen, die nicht von der Pharmaindustrie gesponsert werden. Wir nennen das „schnittchenfreie Fortbildung“, organisiert zum Beispiel von den Ärztekammern oder Krankenhäusern. Die kosten dann manchmal auch Geld, der Arzt bekommt dafür aber pharmaunabhängige Informationen.

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