Der Kölner Erzbischof rudert nach dem Skandal um zwei katholische Krankenhäuser zurück.

Nothilfe

Uwe Zucchi

Köln. Nach dem Skandal um zwei katholische Kliniken in Köln, die die Behandlung eines Vergewaltigungsopfers ablehnten, rudert der Erzbischof von Köln zurück. Die Ärzte in den kirchlichen Einrichtungen dürfen nun doch die „Pille danach“ verschreiben. „Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar“, erklärte Joachim Kardinal Meisner (79).

Diese vom Erzbischof verwendete Definition trifft exakt auf die „Pille danach“ zu. Denn sie unterdrückt oder verzögert mittels Hormonen den Eisprung. Die Spermien sterben ab, bevor eine Eizelle in den Eileiter gelangen und befruchtet werden kann.

NRW-Gesundheitsministerin begrüßt die Erklärung

Die Ärzte dürften künftig auch vergewaltigte Frauen über Methoden zur Verhinderung einer Schwangerschaft aufklären, „die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind“, so Meisner weiter.

Die beiden Krankenhäuser reagierten erleichtert. Die Erklärung nehme den Medizinern die in letzter Zeit entstandene Unsicherheit und berücksichtige ihre Eigenverantwortung.

Die NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) begrüßte die Erklärung. Sie sei ein wichtiges Signal zur Sicherstellung einer umfassenden Versorgung von Frauen in Not in Krankenhäusern mit katholischer Trägerschaft.

Die Diskussion um die Verschreibung der „Pille danach“ war ins Rollen gekommen, nachdem Angestellte zweier katholischer Kliniken aus Sorge um ihre Anstellung ein Vergewaltigungsopfer nicht behandelt hatten. Sie begründeten dies damals damit, dass sie die 25-jährige Frau über die in ihrer Einrichtung verbotene „Pille danach“ hätten aufklären müssen.

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