Der Vorsitzende hält in Stuttgart eine kämpferische Rede. Selbstkritik ist nicht von ihm zu hören.

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Symbolisches Schlussbild in Stuttgart: FDP-Chef Guido Westerwelle, eingerahmt von Spitzenpolitikern seiner Partei.

Symbolisches Schlussbild in Stuttgart: FDP-Chef Guido Westerwelle, eingerahmt von Spitzenpolitikern seiner Partei.

dpa

Symbolisches Schlussbild in Stuttgart: FDP-Chef Guido Westerwelle, eingerahmt von Spitzenpolitikern seiner Partei.

Stuttgart. Die zwei Wochen Urlaub am Roten Meer haben Guido Westerwelle eine gesunde Gesichtsfarbe gegeben. In Stuttgart macht er deutlich, dass er nun kämpfen will. Er ist schon durch viele parteiinterne Stürme gegangen. Die Herausforderung anzunehmen, so lässt er im Vorfeld seiner Rede streuen, mache ihm Spaß.

Das stuckverzierte Stuttgarter Opernhaus ist dafür die richtige Kulisse. Hoch oben in der Kuppel bevölkern die Tierkreiszeichen einen blauen Sternenhimmel, und in der Mitte bäumt sich ein Stier auf. Zieht man vom Stier eine Luftlinie zur Bühne, führt sie direkt zum Rednerpult.

Westerwelle strahlt und gibt sich entschlossen

Westerwelles Sternzeichen ist zwar der Steinbock, aber auch die haben Hörner, um ihre Angreifer in die Flucht zu schlagen. „Zukunft braucht Entschlossenheit“ heißt das Motto für dieses Dreikönigstreffen, und so entschlossen gibt sich nun auch der Vorsitzende. Er strahlt, zeigt sein breitestes Lächeln, schaut nach rechts und links bis oben in die Ränge, wo ein paar Protestierer mit einem entrollten Transparent Platz genommen haben.

„Die Demoskopie ist nicht Maßstab unserer Meinung“, ruft Westerwelle. Später wird er sagen, die Partei solle nicht fragen, was ankommt, sondern: „Tu das Richtige. Das Richtige kommt dann auch an.“

Den meisten Applaus gibt es bei den Passagen zu Hartz IV

Man hat Westerwelle vorgeworfen, sich in der Rolle des Außenministers schwer zu tun. Zu sehr sei er noch der Innenpolitik und dort seiner jahrelangen Aufgabe als Oppositionsführer verhaftet. In Stuttgart macht er das Außenamt zum Ausgangspunkt seiner Rede.

Mauerbau und Mauerfall – Westerwelle sagt, sie sei eigentlich „eingedrückt“ worden vom Freiheitswillen der Ostdeutschen: die Wahl Deutschlands in den UN-Sicherheitsrat im Oktober ist in seiner Rede eine historische Wegmarke, die ihn zu dem Schluss führt: „Wir können stolz sein auf unser Land.“ Und das mit einem „gesunden, fröhlichen Patriotismus“. Er ballt die Fäuste, hebt den Kopf, damit auch die Ränge ihn noch besser verstehen.

Den meisten Applaus bekommt Westerwelle, als er zur Sozialstaatsdebatte und Hartz IV Stellung nimmt. Dass die neuen Regelsätze kein Budget für Tabak und Alkohol umfassten, sei richtig, ruft er und erwähnt, dass die FDP das Schonvermögen für Langzeitarbeitslose heraufgesetzt habe. Das Wort „Leistungsgerechtigkeit“ fällt immer wieder.

Parteivize Brüderle gratuliert dem FDP-Chef als erster zur Rede

Enttäuscht werden die, die von ihrem Vorsitzenden Selbstkritik hören wollten. Ein einziges Mal, ganz zum Schluss, fällt der Satz: „Vieles muss ohne Zweifel noch besser werden.“

Parteivize Rainer Brüderle springt nach Westerwelles Rede als erster auf und klopft dem Vorsitzenden auf die Schulter. Für das Schlussbild wird dieser auch von denen eingerahmt, auf die so manches Parteimitglied seine Hoffnungen setzt. Vorerst heißt der Kapitän weiter Westerwelle.

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